Im Begegnungszentrum für Ausländer und Deutsche haben sich die Geschäftsführer Ralph Jenders und Anne Lahrmann sowie der Bundestagsabgeordnete Jürgen Coße, Berlins ehemaliger Regierende Bürgermeister und Mitglied im Auswärtigen Ausschuss Michael Müller sowie der Landtagsabgeordnete Frank Sundermann über die Flüchtlings- und Integrationspolitik ausgetauscht. Bild: Büro Sundermann/Marina Stalljohann-Schemme

Integration von Flüchtlingen: „Es wird nur in die Akten geschaut“

Ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin und Sundermann besuchen Begegnungszentrum

Ibbenbüren. Der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin und Bundestagsabgeordnete Michael Müller (SPD) hat gemeinsam mit dem SPD-Landtagsabgeordneten für das Tecklenburger Land, Frank Sundermann, und dem hiesigen Bundestagsabgeordneten Jürgen Coße das Begegnungszentrum für Ausländer und Deutsche in Ibbenbüren besucht und sich mit den Geschäftsführern Ralph Jenders und Anne Lahrmann über die Integration von Flüchtlingen in der Region und die finanziellen Herausforderungen im Bereich der Kindertagesstätten ausgetauscht. Müller ist Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages und hat dementsprechend viel mit dem Thema Flucht und Integration zu tun.

 

„Integration auf einmal Selbstverständlichkeit“

„Aktuell sind noch 230 von ehemals über 1.000 Geflüchteten aus der Ukraine in der ZUE Ibbenbüren untergebracht. Viele Geflüchtete konnten aber schnell in den Städten und Gemeinden untergebracht werden und die Anmeldungen in Schulen, Kitas und zu Sprachkursen klappe soweit gut“, sagte Jenders. Man müsse aber aufpassen, dass es zu keiner Diskriminierung komme und die Geflüchteten aus der Ukraine gegenüber anderen Nationalitäten nicht bevorzugt würden: „Integration in Systeme ist auf einmal eine Selbstverständlichkeit.“ Grundsätzlich plädierte Jenders für eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen statt in großen Einrichtungen wie der ZUE, die vom Land NRW getragen bzw. von der Bezirksregierung Münster geleitet wird.

 

Jürgen Coße MdB, Anne Lahrmann, Frank Sundermann MdL, Ralph Jenders, Angelika Wedderhoff, Michael Müller und Kurz Linz (v.l.n.r.) vor dem Integrationszentrum für Ausländer und Deutsche in Ibbenbüren. Bild: Büro Sundermann/Marina Stalljohann-Schemme

 

Flüchtlingspolitik nur ordnungspolitisch geregelt

Jenders und Sundermann kritisierten, dass die Flüchtlings- und Integrationspolitik in NRW ausschließlich behördlich und ordnungspolitisch geregelt sei. „Es wird nur in die Akten geschaut. Die persönliche Geschichte und Entwicklung der Menschen werden überhaupt nicht berücksichtigt. Damit gibt man jüngeren Menschen gar nicht die Chance, sich zu integrieren“, sagte Jenders. Müller wurde von Reyhan Sahin begleitet. Sie ist Mitarbeiterin in der Senatskanzlei in Berlin und derzeit im Ukraine-Krisenstab der Stadt tätig: „In Berlin ist vor kurzem das Landesamt für Einwanderung gegründet worden. Das funktioniert sehr gut und ist ein positives Beispiel.“

 

Finanzierung der Kitas soll Land übernehmen

Ein weiteres Thema war die Finanzierung der Kindertagesstätten, die im Kinderbildungsgesetz (KiBiz) geregelt wird, und die Beitragsbefreiung für die Familien. Sundermann: „Wir brauchen eine kostenlose Bildung von der Kita bis zur Uni, um allen Kindern und Jugendlichen gerechte Bildungschancen zu ermöglichen.“ In Berlin brauchen die Eltern keine Gebühren mehr zu zahlen. Müller: „Seit der Gebührenbefreiung liegt bei uns die Betreuungsquote bei 90 Prozent.“ Damit die Qualität der Betreuung erhalten oder verbessert werde, müsse das Land die Finanzierung vollständig übernehmen.

 

Bild: Büro Sundermann/Marina Stalljohann-Schemme

 

Träger finanziell besser ausstatten

Wichtig sei auch, dass die Träger von Kindertagesstätten zukünftig finanziell so ausgestattet werden, dass sie weiterhin den Erzieherinnen und Erziehern Tariflöhne zahlen können. Lahrmann: „Es ist sowieso schon schwierig, genügend Personal zu finden. Und eine angemessene Bezahlung bedeutet auch Wertschätzung ihrer Arbeit.“ Sundermann wollte ebenfalls die Bitte mit nach Düsseldorf nehmen, das Alltagshelferprogramm in den Kitas fortzuführen bzw. auf Dauer anzulegen, weil es dem pädagogischen Personal die Arbeit erleichtere und eine gute Unterstützung sei.

 

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