Wann ist es sinnvoll, eine PV-Anlage oder Solarthermie auf sein Dach zu montieren? Frank Sundermann hat sich mit der Energieberaterin Andrea Kiewitt über den Weg zu mehr Energieeffizienz von Gebäuden ausgetauscht. Im Hintergrund ein Solarspeicher für Warmwasser. Bild: Büro Sundermann/Marina Stalljohann-Schemme

„Jedes Haus ist anders“

Landtagsabgeordneter Sundermann im Austausch mit Energieberaterin über energieeffizientes Wohnen

Westerkappeln/Tecklenburger Land. Die Bundesregierung will die Treibhausgasemissionen von Gebäuden bis 2030 im Vergleich zu 1990 um mehr als zwei Drittel senken. Mehr Förderung und CO2-Bepreisung sollen Anreize für Investitionen in Effizienz und erneuerbare Energien schaffen, um Bauen und Wohnen in Deutschland klimafreundlicher zu machen. Dabei soll das Wohnen bezahlbar bleiben, während gleichzeitig Bauen immer teurer wird. Wie ist das möglich? Der Landtagsabgeordnete im Tecklenburger Land und energiepolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag, Frank Sundermann, hat sich darüber mit der Westerkappelner Gebäudeenergieberaterin und KfW-Energieeffizienzexpertin Andrea Kiewitt ausgetauscht. Beim energetischen Sanieren von Gebäuden im Bestand dürfe besonders ein Aspekt nicht unterschätzt werden.

 

Jede Maßnahme individuell durchdenken

„Jedes Haus ist anders. Deshalb können wir nicht pauschal sagen, dass bei Gebäuden im Bestand, die ganz unterschiedlich alt sind und unterschiedlich gebaut wurden, zum Beispiel ohne weiteres eine Wärmepumpe funktionieren würde, die Wände von außen mit einem Wärmedämmverbundsystem oder das Dach nachträglich gedämmt werden kann“, sagt Kiewitt. „Hier muss jede Maßnahme individuell durchdacht werden, ob und was möglich und sinnvoll ist. Aber: In jedem Haus ist auch was möglich.“ Dafür sei eine qualifizierte Energieberatung bei Gebäuden wichtig – sowohl im Neubau als auch bei Umbauten. „Energieberaterinnen und Handwerker können einen entscheidenden Beitrag zur Verlangsamung des Klimawandels leisten“, sagt Sundermann. Es werde nur immer schwieriger, überhaupt welche zu bekommen.

 

Als erstes das Haus „gut einpacken“ – dann weitere Maßnahmen

Grundsätzliche rate Kiewitt immer dazu, als erstes das Haus „gut einzupacken“ und neue Fenster einzusetzen, um Wärmeverluste so weit wie möglich zu reduzieren. In einem zweiten Schritt könne laut Kiewitt über alternative Energien wie eine PV-Anlage, eine Wärmepumpe beispielsweise mit Erdwärme, eine Pelletheizung oder Solarthermie nachgedacht werden. „Im Neubau ist es einfacher, verbindliche Standards für Energieeffizienz vorzugeben, die dann auch gefördert werden können. Aber bei bestehenden Gebäuden ist es schwieriger. Die Besitzer müssen abwägen, wie viel Investitionen und welche energetischen Sanierungsmaßnahmen sich rechnen und wie viel sie sich leisten können, wenn das Haus vielleicht schon 50, 60 Jahre oder noch älter ist. Und dazu kommen aktuell die kaum zu kalkulierenden Baupreise“, sagt Kiewitt, die auch energieland2050-Beraterin ist.

 

Bottrop als Beispiel – höchste Dichte an PV-Anlagen

Sundermann beschäftigt sich als wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher mit erneuerbaren Energien und dem Weg zu mehr Energieeffizienz: „Auch der Krieg in der Ukraine führt uns vor Augen, dass wir schneller unabhängig von fossilen Brennstoffen werden müssen.“ Sundermann verweist auf die Stadt Bottrop, wo es das Projekt „Innovation City“ gibt. Sundermann: „Mit Hilfe von geförderter Energieberatung vor Ort konnte hier die höchste Dichte an PV-Anlagen in Deutschland erreicht werden und die CO2-Emissionen der Stadt konnten innerhalb von zehn Jahren halbiert werden. So etwas brauchen wir überall.“

 

Regelungen für Eigenverbrauch von PV-Strom werden vereinfacht

Gerade ist das sogenannte Osterpaket der Bundesregierung veröffentlicht worden, um den Ausbau der Erneuerbaren Energien schneller voranzubringen. Sundermann: „Darin wird unter anderem die EEG-Umlage abgeschafft, so dass die Regelungen für den Eigenverbrauch von Strom aus Photovoltaikanlagen vereinfacht werden.“