Wie muss eine gute Ganztagsgrundschule organisiert sein? Darüber diskutierten Lengerichs Bürgermeister Wilhelm Möhrke, der Landtagsabgeordnete Frank Sundermann (SPD) und Kerstin Ruthenschröer, die Vorsitzende des VBE-Kreisverbands Steinfurt (v.l.n.r.). Bild: Büro Sundermann

„Eine Lobby für die Schule“ – Mehr Qualität, mehr Flexibilität

Diskussion über Offene Ganztagsschule mit VBE, Bürgermeister und Landtagsabgeordnetem

Lengerich. Wie flexibel oder gebunden sollte die Ganztagsgrundschule sein, welche Qualitätsstandards haben und brauchen wir und wie soll es finanziert werden? Um diese Fragen drehte sich die Diskussionsrunde am Montagabend in der AWO Lengerich, zu der Frank Sundermann (SPD), der Landtagsabgeordnete im Tecklenburger Land, eingeladen hatte. Auf dem Podium saßen Kerstin Ruthenschröer, Vorsitzende des VBE-Kreisverbands Steinfurt, und der Bürgermeister von Lengerich, Wilhelm Möhrke. Rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren aus den Bereichen Bildung, Schule, Kita, Eltern und Politik gekommen, um rege mitzudiskutieren. Denn das Thema Offene Ganztagsbetreuung bewegt viele Familien, Schulen und Kommunen.

 

Gebundener Ganztag oder mehr Flexibilität?

Vielleicht das Fazit vorweg: Wenn es um die richtige Ausgestaltung der Offenen Ganztagsgrundschule geht, sollten die Grundschulen, Elternschaft und Politik das gemeinsam angehen. Gemeinsam für die Kinder und gemeinsam für Lengerich, da waren sich alle einig. Dennoch gab es durchaus unterschiedliche Meinungen, etwa in Bezug auf die Flexibilität. Möhrke sprach sich für einen gebundenen Ganztag aus, damit auch Kinder aus bildungsfernen Schichten in die Betreuung kommen: „In Lengerich haben wir einen hohen Migrationsanteil. Alle Kinder sollen gerechte Chancen bekommen.“ Demgegenüber forderten viele Eltern mehr Flexibilität, wie es auch in anderen Bundesländern geregelt sei.

 

Ruthenschröer: Aktuelles System ist sehr starr

Ruthenschröer: „Das aktuelle System ist sehr starr und verpflichtet die Eltern, ihre Kinder jeden Tag mindestens bis 15 Uhr in die Betreuung zu geben. Das System muss flexibler werden. Natürlich muss es planbar sein. Aber mit einem guten Konzept ist mehr Flexibilität möglich. Wenn sich die Kinder für bestimmte AGs anmelden, müssen sie natürlich auch verbindlich kommen. Außerdem kann es trotzdem feste Abholzeiten geben. Alle waren sich schließlich in einer Kombination aus gewissen Fixpunkten und flexiblen Möglichkeiten einig.

 

Qualität spielt eine wichtige Rolle

Auch den Eltern gehe es darum, dass eine Betreuung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf natürlich wichtig sei, aber die Kinder in der OGS nicht nur aufbewahrt werden dürften, sondern genügend Personal vorhanden und eine kindgerechte Betreuung wichtig sei. Das Thema Qualität spielte dabei eine große Rolle. „Die Landes-SPD fordert festgelegte Qualitätsstandards für den Offenen Ganztag“, sagt Sundermann. Möhrke verwies darauf, dass Lengerich bereits Qualitätsstandards für die OGS definiert habe: „Ein Qualitätszirkel, der sich aus der Schulleitung, Teamleitung OGS, Mitarbeiter der Verwaltung, d.h. Fachdienste Schule, Sport, Kultur, Zentrale Dienste und Personalrat zusammensetzt, tagt mindestens einmal jährlich und berät darüber. Viele andere Kommunen haben das nicht.“

 

Finanzierung und Gewinnung von Personal

Damit zusammen hänge natürlich die Finanzierung und das Gewinnen von Personal. Ruthenschröer: „Die Arbeitszeiten im Nachmittagsbereich sind nicht sehr lukrativ. Um mehr Personal zu gewinnen, müssen wir bessere Möglichkeiten schaffen.“ Vertreter der Kommunalpolitik forderten, dass das Land NRW die Finanzierung der OGS übernehmen müsse. Sundermann: „Das sehe ich auch so. Es darf nicht sein, dass die Qualität der Ganztagsbetreuung davon abhängig ist, wie finanzkräftig eine Kommune ist. Außerdem muss die Betreuung beitragsfrei sein, wie wir es auch für die Kitas fordern.“

 

Sundermann: „Lobby für die Schule bilden“

Sundermann stellte abschließend fest: „Wir müssen eine Lobby für die Schule bilden. Die Bedürfnisse und Probleme müssen in Düsseldorf stärker gehört werden. Es kann ja zum Beispiel nicht sein, dass die Mitarbeiter im Vormittag beim Land und am Nachmittag beim Träger angestellt sind. Wir könnten ein Modellprojekt beantragen und eine Zukunftskonferenz aufsetzen, auf der die Standards und Ziele formuliert werden.“

 

Pressemitteilung als PDF