Rund 10.000 Quadratmeter Dachfläche hat die Firma Stille aus Lengerich mit PV-Anlagen bebaut, die etwa 1,2 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr produzieren, wie Inhaber Daniel Auffahrt (r.) dem Landtagsabgeordneten Frank Sundermann gezeigt hat. Bild: Büro Sundermann/Marina Stalljohann-Schemme

Strom aus Sonnenlicht als Geschäftsmodell

Landtagsabgeordneter und Unternehmer Auffahrt über Möglichkeiten und Hemmnisse der Photovoltaik

Lengerich. Gerade erst sind die letzten Solarmodule auf das Dach der Lengericher Firma H. Stille & Co. montiert worden. Auf 10.000 Quadratmetern Dachfläche hat Inhaber Daniel Auffahrt auf seinen Gewerbehallen Photovoltaikanlagen mit insgesamt 1.000 Kilowatt Peak (kWp) installieren lassen, die – je nach Sonneneinstrahlung – ca. 1,2 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen. „Doch die Installation von Photovoltaikanlagen und Nutzung oder Einspeisung von Eigenstrom haben noch einige finanzielle Hürden und rechtliche Hemmnisse“, sagt Auffahrt im Gespräch über die Chancen und Probleme der Photovoltaik mit dem Landtagsabgeordneten für das Tecklenburger Land, Frank Sundermann (SPD). Doch es gibt auch Möglichkeiten. So hat Auffahrt ein besonderes Geschäftsmodell zur Nutzung von Photovoltaik entwickelt.

 

PV lohnt sich aktuell nur bei hohem Stromverbrauch

„Die Installation von Photovoltaikanlagen auf dem eigenen Dach lohnt sich bei den aktuellen rechtlichen Voraussetzungen nur, wenn man einen sehr großen Stromverbrauch hat und das Dach so groß ist, dass man ihn mehr oder weniger komplett über die Photovoltaikanlage decken kann. Das Einspeisen von überschüssigem Strom ins Netz lohnt sich bei einer Vergütung von etwa 6 Cent pro Kilowattstunde nicht. Dafür ist die Investition in die Anlage für die meisten Menschen zu teuer“, sagt Auffahrt.

 

PV-Anlage vermieten: Win-Win-Situation

Doch die Installation von Solaranlagen auf großflächigen Dächern, beispielsweise von Gewerbehallen und Betrieben, könne sich lohnen, wenn Inhaber und Betreiber der Photovoltaikanlagen nicht dieselbe Person sind. Auffahrt: „Ich vermiete die Photovoltaikanlagen auf unseren Hallendächern an die Mieter der Hallen und unsere Kunden, die einen sehr hohen Stromverbrauch haben und somit nicht nur geringere Stromkosten haben, sondern auch autark sind und CO2-neutralen Strom verbrauchen. Das ist eine Win-Win-Situation“, sagt Auffahrt. Er habe die Einnahmen durch das Vermieten der Anlage und der Mieter spare durch die Nutzung von Solarstrom an seinen Nebenkosten.

 

Bild: Büro Sundermann/Marina Stalljohann-Schemme

 

Ohne finanzielle Anreize wird es nicht gehen

Sundermann: „Die niedrige Einspeisevergütung hält sicherlich viele Menschen davon ab, Photovoltaikanlagen auf ihre Dächer zu bauen. Und Vermieter oder Eigentümer können ihren überschüssigen Strom vom Dach nicht so ohne weiteres an die Mieter oder Nachbarn weitergeben, weil sämtliche Kosten für die Nutzung der Netze, also Netzentgelte und Steuern anfallen. Ohne finanziellen Anreiz wird es sicherlich nicht gehen, auch wenn die Strompreise immer weiter steigen und wir uns im Angesicht der dramatischen Situation in der Ukraine noch schneller als geplant unabhängig von Energieimporten machen müssen. Dafür sind die Anlagen zu teuer, zumal Bauen und Sanieren ja grundsätzlich von Woche zu Woche teurer wird“, sagt Sundermann.

 

Maßnahmenpaket: Bundesregierung will PM stärken

Aber die neue Bundesregierung will jetzt im Frühjahr ein großes Paket an Einzelmaßnahmen für die Photovoltaik auf den Weg bringen“, sagt Sundermann. Nach den Plänen des Ministeriums sollen außerdem Volleinspeiser höhere Vergütungen erhalten, je nach Leistung auf 7,3 bis 12,5 Cent pro Kilowattstunde. Außerdem soll es künftig keine Umlagen mehr auf Eigenverbrauch und Direktlieferungen hinter dem Netzverknüpfungspunkt geben, was diese attraktiver mache. Auch Bürgerenergie soll stärker gefördert werden.

 

Dächer nutzen, um aus Sonne Strom zu machen

Auffahrt: „Wir haben so viele private und gewerbliche Dächer, auf denen wir aus Sonnenlicht Strom erzeugen können. Es muss nur die richtigen Bedingungen dafür geben, dass die Menschen sie auch nutzen.“

 

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