Chancen auf Barrierefreiheit für Kattenvenner Bahnhof?

Die Treppe zum Bahnsteig Richtung Osnabrück am Bahnhof Kattenvenne ist ein unüberwindbares Hindernis für Rollstuhlfahrer und Nutzer von Rollatoren. Frank Sundermann MdL (r.) hat sich jetzt mit Rolf Hötker (l.) vom VdK Steinfurt und Karsten Huneke, SPD-Fraktionsvorsitzender in Lienen (m.) vor Ort über Fördermöglichkeiten ausgetauscht. Bild: Büro Sundermann/Marina Stalljohann-Schemme

VdK, Landtagsabgeordneter Sundermann und SPD-Ratsfraktion wollen Fördermöglichkeiten prüfen

Kattenvenne. 601 Personen steigen täglich am Bahnhof Kattenvenne in den Zug. Den Bahnhof können jedoch nur Menschen nutzen, die keine Beeinträchtigung oder Behinderung haben, denn der Bahnsteig Richtung Osnabrück ist nur über eine lange Treppe zu erreichen. Einen Aufzug oder eine Fußgängerbrücke gibt es nicht. Und die Rampe führt nicht zum anderen Bahngleis, sondern auf die andere Seite des Ortes. „Wir brauchen dringend mehr Barrierefreiheit im öffentlichen Personennahverkehr, wenn wir ernsthaft das Ziel verfolgen wollen, das Auto mit Verbrennungsmotor gegen Bus und Bahn einzutauschen“, sagt der Landtagsabgeordnete für das Tecklenburger Land, Frank Sundermann (SPD). Ein Aufzug scheint hier die einzige Lösung zu sein.

 

Barrierefreier Umbau des Bahnhofs würde 3,7 Millionen Euro kosten

Sundermann hat sich mit Rolf Hötker, dem Vertreter der Menschen mit Behinderung im Sozialverband VdK – Kreisverband Steinfurt, Karsten Huneke, dem SPD-Fraktions- und Ortsvereinsvorsitzendem in Lienen-Kattenvenne, sowie mit weiteren Vertretern vom VdK vor Ort über die Situation am Bahnhof Kattenvenne informiert und über Fördermöglichkeiten beraten. „Eine Brücke oder Unterführung kommt aufgrund der Steigung, die nicht mehr als sechs Prozent betragen darf, und der örtlichen Begebenheiten nicht infrage. Ein Aufzug wäre vermutlich die einzige Lösung. Der barrierefreie Umbau des Bahnhofs einschließlich Anpassung der Bahnsteighöhen kostet laut Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Münsterland (ZVM) rund 3,7 Millionen Euro“, sagt Hötker.

 

Förderung erst ab 1.000 Fahrgästen interessant

In der Bewertungsskala für den Umbau von Stationen im NWL (Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe) liege Kattenvenne im Ranking in der Liste von 1 bis 99 auf Platz 31. Hötker: „Hiernach ist eine Unterstützung durch Maßnahmen des NWL auf mittlere Sicht kaum zu erwarten, zumal eine Förderung erst ab 1.000 Fahrgästen pro Tag interessant wird. Falls mit Mitteln der Kommune die Barrierefreiheit am Bahnhof erreicht werden könnte, ist nach Auskunft des ZVM-Geschäftsführers Michael Geuckler mit einem Zuschuss von 90 Prozent für die Baukosten zu rechnen, wenn die Kommune die restlichen zehn Prozent übernimmt.“

 

Die Treppe am Bahnhof Kattenvenne ist für Menschen mit Behinderung oder Einschränkung ein unüberwindbares Hindernis. Landtagsabgeordneter Frank Sundermann (r.) und SPD-Fraktionsvorsitzender Karsten Huneke wollen über Fördermöglichkeiten für den barrierefreien Umbau beraten. Der NWL hat ein Förderprogramm aufgestellt, dass für die Kommune interessant sein könnte. Bild: Büro Sundermann/Marina Stalljohann-Schemme

 

Gemeinsame Haltung im Gemeinderat anstreben – Zuschussantrag an NWL

Huneke gab zu bedenken, dass sich die Gemeinde Lienen im Haushaltssicherungskonzept befinde. Freiwillige Ausgaben, wie etwa die Umgestaltung des Bahnhofs, würden einer strengen Aufsicht unterliegen. Huneke: „Dennoch wollen wir über die Parteigrenzen hinweg eine gemeinsame Haltung im Gemeinderat anstreben, die im Ergebnis zu einem Zuschussantrag an den NWL führen könnte. Wir würden vorab einen Prüfantrag an die Verwaltung richten, damit nicht von vornherein der Zuschussantrag wegen seiner möglichen Dimension zum Scheitern verurteilt ist.“

 

Weitere Fördermöglichkeiten vom Land NRW?

Neben einer Fördermöglichkeit durch den NWL will Sundermann prüfen, ob es vom Land NRW weitere Fördermöglichkeiten gibt. „Immerhin betont die Landesregierung, dass sie die Barrierefreiheit im Öffentlichen Personennahverkehr weiter vorantreiben will.“ Sundermann versprach auch, mit Werner Lübberink, dem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für Nordrhein-Westfalen, über die Situation am Bahnhof Kattenvenne zu sprechen und Lösungsmöglichkeiten auszuloten. Mit Blick auf die neu zu bildende Bundesregierung äußerte Sundermann: „Ich habe die Hoffnung und den Wunsch, dass sie die Energie- und Mobilitätswende ernsthaft umsetzt und sich daraus auch bessere Fördermöglichkeiten für den barrierefreien Umbau im ÖPNV ergeben.“

 

Bild: Büro Sundermann/Marina Stalljohann-Schemme

 

Bislang Bahnhöfe Osnabrück oder Ostbevern die Alternativen

„Für Menschen mit Einschränkungen bleibt in Kattenvenne bislang nur die Alternative, bis zum Bahnhof Osnabrück oder Ostbevern zu fahren und dort barrierefrei in den Zug zu steigen. Und das ist ja keine ernsthafte Alternative“, sagt Sundermann. Hötker versprach als Mitglied im Inklusionsausschuss des Kreises Steinfurt und im Beirat für Menschen mit Behinderung beim NWL in diesen Gremien die fehlende Barrierefreiheit am Bahnhof Kattenvenne zu thematisieren.

 

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