Der „essbare Wald“: Pflanzen in Energieproduktion nicht zu toppen

Agroforstwirtschaft ist eine Kombination aus Wald und Landwirtschaft. Auf dem "Frecklinghof" der Familie Van Dijk in Tecklenburg habe ich sehr viel darüber erfahren. Das Ziel: Mehr Energie gewinnen als zu verbrauchen. Bild: Büro Sundermann/Marina Stalljohann-Schemme

Was ist eigentlich Agroforst? – Besuch auf dem „Frecklinghof“ der Familie Van Dijk

Man könnte sagen, die Pflanzen auf dem Biohof „Frecklinghof“ der Familie Van Dijk in Tecklenburg werden „liebevoll vernachlässigt“ – so beschreibt es zumindest Chiel van Dijk, der den Hof seit 2009 gemeinsam mit seiner Frau Monique bewirtschaftet. Hier leben nicht nur 25 Milchkühe mit ihren Kälbern, Bullen, Hühner, Schafe und Gänse, sondern hier wird auch eine Form der Landwirtschaft ausprobiert, die als „Agroforstwirtschaft“ bezeichnet wird und eigentlich gar nicht so neu ist, sondern jahrhundertelang von den Menschen so betrieben wurde. Das Ziel: Mit einer nachhaltigeren Landwirtschaft dem Klimawandel, Gewässerbelastungen und dem zunehmenden Verlust an biologischer Vielfalt zu begegnen.

 

Mehr Energie auf dem Hof produzieren als verbrauchen

Die Van Dijks verfolgen aber noch ein anderes Ziel: „Wir wollen auf unserem Hof mehr Energie (gemessen in Kilojoule) produzieren als verbrauchen. Denn wenn man sich die Energiebilanz der Landwirtschaft anschaut und nachrechnet, muss bislang viel mehr Energie aufgewendet werden, um zum Beispiel Milch oder Fleisch zu produzieren, als mit dem Endprodukt nachher gewonnen wird. Es wird eigentlich nichts produziert. Und das macht uns sehr unzufrieden. Dabei sind Pflanzen in der Energieproduktion nicht zu toppen.“ Die Van Dijks wollen die Landwirtschaft, in die bislang viel Energie gesteckt werden musste, produktionseffizienter machen. „Bislang ging es nur darum, wie die Abläufe arbeitseffizienter gestaltet und das Endprodukt billiger gemacht werden konnte. Dabei wurde nicht bedacht, dass der Energieeinsatz in der bisherigen Form der Landwirtschat höher ist als das, was am Ende dabei herauskommt.“

 

Auf dem Hof gibt es auch eine eigene Schlachterei. Hier werden die Tiere so schonen und artgerecht wie möglich behandelt, so dass sie möglichst keinen Stress bekommen. Bild: Büro Sundermann/Marina Stalljohann-Schemme

 

Agroforst: Kombination aus Wald und Landwirtschaft

Und was genau ist nun die Agroforstwirtschaft – auch kurz der Agroforst –, womit die Van Dijks die Energieeffizienz erhöhen und mehr Energie produzieren als verbrauchen wollen? „Zum einen werden hierbei Bäume bzw. Wald und Landwirtschaft miteinander kombiniert. Und zum anderen gibt es beim Agroforst keine Monokultur mehr, wie sie unsere Landwirtschaft und Wälder ja mittlerweile fast ausschließlich prägt, sondern die unterschiedlichsten Obst- und Gemüsesorten werden zwischen Obstbäume und Sträuchern angepflanzt. Dabei werden auf einer Fläche Bäume und Ackerkulturen, Wiesen oder Weiden so miteinander kombiniert, dass es für Landwirtschaft, Natur und Klima gleichermaßen vorteilhaft ist. Es wechseln sich Feldstücke mit Getreide, Blüh- und Baumstreifen sowie Weideflächen ab.“ Das Problem sei jedoch die Umsetzung, denn von der Politik wird diese Form der Landwirtschaft bislang nicht gefördert.

 

Testfläche in Tecklenburg: Hier entsteht ein „essbarer Wald“

Sundermann und Van Dijk gehen in Tecklenburg gemeinsam durch einen Hektar Agroforst, den die Familie Van Dijk als Testfläche angelegt hat. In den Niederlanden ist gerade eine Studie/Doktorarbeit dazu erschienen. „Auf den ersten Blick wirkt es grün, wild und vielleicht auch etwas unscheinbar, aber auf den zweiten Blick sieht man all die Pflanzen, Früchte, Nüsse, Gemüse und Beeren, die hier in diesem „essbaren Wald“ wachsen: Spargel, Sanddorn, Hagebutten, Mandeln, Pfirsiche, Brombeeren Kirschen oder Apfelbeeren und noch vieles mehr. Van Dijk: „Auf dieser Fläche können wir rund 16 Tonnen Trockenmasse ernten, das ist mehr als aus einem Hektar Getreide oder Mais gewonnen werden kann.“

 

Tiere von März bis Dezember auf der Weide

Viele Tiere habe ich, einmal abgesehen von kleinen Hundewelpen, bei meinem Besuch übrigens nicht gesehen, denn die Kühe und Schafe stehen von März bis Dezember auf der Weide. Die Bullen werden ebenfalls mit groß gezogen, auch wenn sie keine Milch geben, und deren Fleisch in der eigenen Schlachterei verarbeitet und vor Ort im Hofladen verkauft. Dort gibt es übrigens auch Eier, Milch, Saft, Honig, Nüsse und weitere regionale Produkte.