„Den Himmel sollte man hier eigentlich nicht sehen können“

Bild: Büro Sundermann/Marina Stalljohann-Schemme
Sundermann im Austausch mit Förster – Stärkere Zusammenarbeit mit KlimaschutzmanagerInnen

Westerkappeln/Tecklenburger Land. „Sie sind überall drin“, sagt Förster Christian Rebitz vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Mit „sie“ meint Rebitz die Borkenkäfer. Denn auch Bäume, die auf den ersten Blick noch grün und gesund wirken, sind bereits von dem Käfer befallen und nicht mehr zu retten. Da werden wohl auch die paar Wochen Regen im März und April nicht viel geholfen haben. Aber nicht nur Fichten, sondern auch Buchen, Eschen und sogar Kiefern, die eigentlich mit Trockenheit besser klarkommen, verdursten förmlich und sterben ab. Der Landtagsabgeordnete für die Region, Frank Sundermann (SPD), ist gemeinsam mit Rebitz durch die Wälder des Tecklenburger Landes gegangen und hat sich über deren Zustand und Entwicklung informiert. „Wenn wir die kahlen Flächen ehemaliger Fichtenwälder und die sterbenden Kiefern und Buchen sehen, zeigt sich der Klimawandel deutlich hier vor unserer Haustür“, sagt Sundermann.

 

Alle Bäume von Trockenheit der letzten drei Jahre geschwächt

„Wir Förster sehen zurzeit jeden Tag sehr viele tote Bäume“, sagt Rebitz. „Von der langanhaltenden Trockenheit der letzten drei Jahre sind nicht nur die Fichten, sondern alle Bäume stark geschwächt. Wir wissen noch nicht sicher, wie die klimatischen Verhältnisse und der Wald in einigen Jahrzehnten aussehen werden. Nur eines ist sicher, der Wald wird sich auf jeden Fall verändern.“

 

Im Tecklenburger Land werden sehr gerne Eichen gepflanzt

An die Stelle von Fichten, Buchen und Eschen treten andere Baumarten. Entweder, weil sie sich selber aussäen und eine Naturverjüngung stattfindet, im Forstbetriebsbezirk Schafberg im Hagenberg vor allem durch Birken, Ebereschen und Lärchen, bei fehlender Einwirkung durch den Menschen aber auch oft durch erneute Fichten, Brombeeren oder Wildgräser. Oder weil zum Beispiel mit Douglasie, Eiche, Lärche oder Esskastanie wiederaufgeforstet wird – Baumarten, die besser mit Trockenheit klarkommen und auch gut zu Bauholz verarbeitet werden können. „Im Tecklenburger Land werden sehr gerne Eichen gepflanzt, die jedoch im Vergleich zu den verschiedenen Nadelhölzern sehr viel langsamer wachsen und selten im Bausektor nachgefragt sind“, sagt Rebitz.

 

Hinter der Rinder verbirgt sich der Borkenkäfer. Förster Christian Rebitz erklärt dem Landtagsabgeordneten Frank Sundermann, warum die Bäume infolge der Trockenheit so anfällig für die Käfer sind. Bild: Büro Sundermann/Marina Stalljohann-Schemme

 

Abgestorbene Buchen und Eschen am Südhang – Sonnenbrand als Gefahr

„Jeder Wald hat abhängig von Boden und Lage unterschiedlich gute Voraussetzungen für bestimmte Baumarten“, sagt Rebitz. Davon konnte sich Sundermann in einem 1870 gepflanzten Wald nahe der Biologischen Station in Tecklenburg ein deutliches Bild machen. Auf der einen Seite der Nordhang mit gesunden Bäumen – auf der anderen Seite der Südhang, geprägt durch abgestorbene Buchen und Eschen. Denn nicht nur der Borkenkäfer, sondern auch eine Pilzerkrankung macht infolge der Trockenheit insbesondere den Eschen zu schaffen und führt zum sogenannten Eschentriebsterben. Rebitz: „Den Himmel sollte man hier eigentlich nicht sehen können. Die noch nicht abgestorbenen Buchen werden durch die nun erhöhte Sonneneinstrahlung Sonnenbrand bekommen, was zum Aufplatzen der Rinde führt. Sie sind dieses Klima nicht gewohnt.“ Profitieren können allerdings der Ahorn und die Eichen, die nun mehr Licht bekommen.

 

Nachhaltige Nutzfunktion der Wälder

Theoretisch könne man den Wald als Natur- und Erholungsort auch sich selber überlassen. Dies würde aber die nachhaltige Nutzfunktion der Wälder fast vollständig außer Acht lassen. Die Holzindustrie sei auch ein wichtiger Wirtschaftszweig, der wiederum für Nachhaltigkeit stehe. „Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der ausschließlich Sonnenenergie, Wasser und Nährstoffe zum Wachsen benötigt. Und während des Wachstums entzieht er der Atmosphäre das klimaschädliche Treibhausgas Kohlendioxid, das als Kohlenstoff gespeichert wird.“

 

„Wollen oder können nicht 60 Jahre auf Hauptbaumarten warten“

Rebitz: „Allerdings wollen oder können wir in den meisten Fällen nicht 60 Jahre auf die Hauptbaumarten warten, bis sie sich von alleine unter den Vorwäldern aus Birke, Eberesche oder Faulbaum ansiedeln, sondern brauchen in unserer Gesellschaft auch den Rohstoff Holz. Hier muss man in den Wäldern für einen guten Ausgleich der Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion sorgen und die Natur bei ihrer Veränderung unterstützen, um die natürlichen Prozesse zu beschleunigen und auch brauchbares Nutzholz zu erzeugen. Doch wenn alles auf einmal stirbt, kommt man nicht mehr hinterher“, beschreibt Rebitz die aktuelle Situation der Förster. Während eigentlich Kulturpflegearbeiten und Vorbereitungen für den Herbst an der Tagesordnung wären, habe er überwiegend damit zu tun, abgestorbene Bäume zu markieren und aus dem Wald bringen zu lassen. Und die Wiederaufforstung bedeute für die Waldbesitzer zunächst einmal hohe Kosten für Erträge, die erst in nachfolgenden Generationen deutlich werden.

 

Hier wurde aufgeforstet. Doch es ist nicht so einfach, die jungen Pflanzen vor Bissschäden durch Rehe und andere Tiere zu schützen. Bild: Büro Sundermann/Marina Stalljohann-Schemme

 

900 verschiedene Waldbesitzer im Forstbetriebsbezirk Schafberg

Mit etwa 60 Prozent befindet sich in NRW und auch im Tecklenburger Land der Großteil des Waldes in Privatbesitz. 900 verschiedene Waldbesitzer mit unterschiedlichen Interessen und unterschiedlichem Bezug zum Wald gibt es allein im Forstbetriebsbezirk Schafberg, für den Rebitz vom Landesbetrieb Wald und Holz zuständig ist und der die Gemeinden Westerkappeln, Mettingen, Lotte, Recke und Hopsten umfasst. Er unterstützt die Waldbesitzer bei der Bewirtschaftung und Pflege ihrer Wälder. „Für eine stärkere Wahrnehmung des Themas Wald in der Gesellschaft und Umweltbildung wäre eine Vernetzung der Förster mit den Klimaschutzmanagerinnen und -managern der Kommunen im Kreis Steinfurt sicherlich sinnvoll“, regt Sundermann an.

 

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