Im Kreis fehlen 9.000 barrierefreie Wohnungen für Senioren

Frank Sundermann (SPD), Landtagsabgeordneter für das Tecklenburger Land, möchte von der Landesregierung wissen, wie es im Kreis Steinfurt um den barrierefreien Wohnungsmarkt und Wohnungsbau bestellt ist und mit welcher Entwicklung in den nächsten Jahren zu rechnen ist.
Große Versorgungslücke im Kreis Steinfurt – junge Menschen nicht berücksichtigt

Kreis Steinfurt/Düsseldorf. Nur 40 Prozent aller Menschen im Kreis Steinfurt über 65 Jahre, die eine barrierefreie Wohnung benötigen, wohnten im Jahr 2018 auch in einer solchen. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Frank Sundermann (SPD) zum barrierefreien Wohnen hervor. „Es gibt eine große Versorgungslücke im barrierefreien Wohnen im Kreis Steinfurt. 6.000 barrierefreie Wohneinheiten stehen dem Bedarf von 15.000 Wohnungen gegenüber. Und dabei werden jüngere Menschen mit Beeinträchtigungen gar nicht berücksichtigt. Hierzu gibt es keine Daten“, sagt Sundermann. „Da helfen auch die beteuernden Verbesserungsplanungen der schwarz-gelben Landesregierung wenig, die in ihrer Novelle der Landesbauordnung das barrierefreie Bauen sogar noch abschwächt.“

 

Kritik an schwammiger Begrifflichkeit in Landesbauordnung

So kritisiere auch der VdK-Landesverband NRW an der Novellierung der Landesbauordnung die schwammige Begrifflichkeit, dass Neubauwohnungen künftig in einem nicht näher definierten „erforderlichen Umfang barrierefrei“ errichtet werden sollen. Hier brauche es eine Präzisierung. Alternativ unterstütze der VdK die Anregung der Architektenkammer, die begriffliche Ungenauigkeit durch technische DIN-Normen (DIN 18040-3) zu definieren.

 

Große Versorgungslücke – Initiativen der SPD-Kreistagsfraktion

„Schaut man sich die Anzahl geförderter Mietwohnungen im Kreis Steinfurt an, ist von der schwarz-gelben Landesregierung in den vergangenen Jahren viel versäumt worden, was die große Versorgungslücke von 9.000 Wohnungen erklären würde“, sagt Sundermann. So seien im Kreis Steinfurt in den vergangenen fünf Jahren lediglich 1.328 Wohneinheiten gefördert worden. In Anbetracht der großen Versorgungslücke mit barrierefreien Wohnungen im Kreis Steinfurt verweist Sundermann auch auf die politischen Initiativen der SPD-Kreistagsfraktion. Sie hatte dem Kreistag immer wieder vorgeschlagen, in diesem Bereich stärker tätig zu werden. „Diese kommunalen Steuerungsinstrumente sind überfällig, um die Zahl barrierefreier Gebäude und Wohnungen zu erhöhen,“ so Jürgen Coße, Partei- und Fraktionsvorsitzender der SPD im Kreis Steinfurt. „Leider sind diese Anträge nie ernsthaft unterstützt worden. Es ist schon längst Zeit, mehr zu unternehmen“, sagt Coße.

 

Mit Novelle der Landesbauordnung wird Bedarf nicht gedeckt werden

„Die Landesregierung behauptet, dass sie mit der Landesbauordnung 2018 einen Paradigmenwechsel im Wohnungsbau eingeleitet habe und die Anforderungen im Hinblick auf die Barrierefreiheit erhöht worden seien. Allerdings schlägt sich das in den Zahlen für den Kreis Steinfurt nicht nieder. Und mit der geplanten Novelle werden wir den Bedarf auch zukünftig nicht decken können, wenn die Vorgaben zum barrierefreien Bauen aufgeweicht werden“, mahnt Sundermann.

 

Zur Statistik

Die Zahlen zum barrierefreien Wohnen im Kreis Steinfurt stammen aus dem Gutachten des GEWOS Institut für Stadt-, Regional- und Wohnraumforschung GmbH aus Hamburg, das das Thema „altersgerechter Wohnraum“ behandelt hat. Die Datengrundlage dazu biete laut Landesregierung die Mikrozensus-Zusatzerhebung für das Jahr 2018. Der Bestand an barrierereduziertem Wohnraum wurde hier anhand der Einschätzung der befragten Haushalte gemessen. Eine Erhebung barrierefreier Wohnungen beinhalte das Gutachten nicht.

 

Pressemitteilung als PDF