Klimaschutz: „Industrie ist nicht das Problem, sondern Teil der Lösung“

Der Landtagsabgeordnete und wirtschaftspolitische Sprecher Frank Sundermann (l.) und Gustav Deiters, Geschäftsführer von Crespel & Deiters, haben sich am Firmensitz in Ibbenbüren über die Akzeptanz der Industrie innerhalb der Gesellschaft ausgetauscht. Bild: Büro Sundermann
Sundermann MdL mit Crespel & Deiters im Austausch über Akzeptanz der Industrie – Herausforderung Ausbildung

Ibbenbüren. Es ging um Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit und Umwelttechnik, aber auch um Solidarität und Haltung. „Was aus unserer Fabrik herauskommt, wird zu 99,5 Prozent verwendet“, sagt Gustav Deiters, Geschäftsführer des Ibbenbürener Unternehmens Crespel & Deiters, im Gespräch mit Frank Sundermann, Landtagsabgeordneter für das Tecklenburger Land. Als wirtschafts- und energiepolitischem Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag von NRW interessierte Sundermann besonders die gesellschaftliche Akzeptanz der Industrie, wie das Unternehmen durch die Coronakrise gekommen sei und wie sich die Suche nach und die Arbeit mit den Auszubildenden gestalte.

 

„Hidden Champion im Tecklenburger Land“

Die Stärkefabrik, die bereits in fünfter Generation besteht und derzeit den nächsten Generationenwechsel vorbereite, zerlegt Weizen in seine Bestandteile Stärke und Protein und verarbeitet diese entweder zu Hochleistungsklebstoffen für Wellpappe und Papier oder für proteinhaltige Lebensmittel weiter. Mit 260 Mitarbeitern am Standort Ibbenbüren und einem Jahresumsatz von 170 Millionen Euro bezeichnet Sundermann das Ibbenbürener Familienunternehmen als einen „Hidden Champion im Tecklenburger Land, das eine große unternehmerische Verantwortung für die Region übernimmt.“ Doch das Verständnis für die Industrie habe in den vergangenen Jahren nachgelassen, weshalb Deiters in seiner Funktion als Vizepräsident der IHK Nord Westfalen auch Mitbegründer der „In|du|strie“-Akzeptanzoffensive ist.

 

Industrie in Wahrnehmung stark unterrepräsentiert

„Wenn wir über Klima- und Umweltschutz reden, ist nicht die Industrie das Problem, sondern ein Teil der Lösung“, sagt Sundermann. „Die Industrie ist in ihrer Wahrnehmung stark unterrepräsentiert. Dabei muss insbesondere der Umwelttechnik und Umweltwirtschaft ein höherer Stellenwert beigemessen werden. Wir brauchen die Industrie. Sie entwickelt und produziert die Windräder oder Elektrolyseure zur Herstellung von Wasserstoff, der zur Energieversorgung der Zukunft einen wesentlichen Beitrag leisten wird.“ Deiters stimme Sundermann zu und ergänzt: „Wir müssen eine Diskussion über die Industrie führen, die wieder stärker auf Fakten basiert und weniger auf Emotionen.“ Auch die Wettbewerbsfähigkeit spielte eine Rolle sowie die Probleme bei der Suche nach Nachfolgern für ein Unternehmen.

 

Zunehmend schwierig, Auszubildende zu bekommen

Ein fast schon emotionales Thema sei aber auch die Akquise von Auszubildenden, die sich zunehmend als sehr schwierig erweise. „Wir arbeiten aktiv und eng mit den Schulen zusammen und betreiben sehr viel Aufwand, um Arbeitsplätze zu sichern und unseren Betrieb auch während der Coronakrise aufrecht zu erhalten, doch die Lücke zwischen der Realität des Arbeitslebens und den Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler wird immer größer“, sagt Heike Sander, Abteilungsleiterin für Marketing und Kommunikation. Mit Sorge blicke sie auf die Probleme im Bildungssystem. Sander: „Die Schüler müssen mehr vom Bildungssystem profitieren und die Berufe müssen noch bekannter und attraktiver gemacht werden.“

 

Von Zunahme des Online-Handels profitiert

Durch die Coronakrise sei das Unternehmen bislang jedoch sehr gut gekommen, wie Deiters beschrieb: „Weil wir für den Ernährungssektor produzieren, sind wir als systemrelevant eingestuft worden. Das hat uns natürlich sehr geholfen. Auch von der Zunahme des Online-Versandhandels profitieren wir als Hersteller für Wellpappen- und Papierklebstoffe.“ Doch mit den aktuell wieder ansteigenden Infektionszahlen seien auch die Sicherheitsmaßnahmen wieder strenger geworden. Deiters: „Das bedeutet für uns, die einzelnen Schichten komplett voneinander zu isolieren und alle Sicherheits- und Hygienestandards einzuhalten. Außerdem arbeiten wir – wo es geht – im Homeoffice.“

 

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