Kreis Steinfurt steht vor einem Generationenwechsel in der Medizin

Landtagsabgeordneter Sundermann (SPD): „Müssen die zukünftige Versorgung mit Ärzten im Blick haben“

Kreis Steinfurt/Düsseldorf. In den letzten Tagen und Wochen ist deutlicher denn je geworden, wie wichtig ein funktionierendes Gesundheitssystem ist und wie wichtig es ist, genügend Ärztinnen und Ärzte zu haben. Im Kreis Steinfurt bahnt sich jedoch in den nächsten fünf bis zehn Jahren ein Generationenwechsel an. Etwa 40 Prozent aller Hausärzte und 25 Prozent der Fachärzte sind über 60 Jahre alt und werden voraussichtlich in den Ruhestand gehen. Dem Rettungsdienst fehlt schon jetzt geeignetes Fachpersonal.

 

Müssen zukünftige Ärzteversorgung dringend im Blick haben

Der SPD-Landtagsabgeordnete im Tecklenburger Land, Frank Sundermann, hatte sich im Februar – als das Coronavirus noch relativ weit weg schien – mit einer Kleinen Anfrage zur Ärzteversorgung im Kreis Steinfurt an die Landesregierung gewandt. „Die Zahlen machen deutlich, dass wir die zukünftige Versorgung mit Haus-, Fach- und Notärzten in unserer Region dringend im Blick haben müssen. Wir sehen momentan, wie schnell unsere ärztliche Versorgung auf eine harte Probe gestellt werden kann und wie wichtig es ist, hier auch weiterhin gut aufgestellt zu sein“, sagt Sundermann.

 

Alle geben im Gesundheitssystem ihr bestes

„Derzeit geben alle Menschen, die im Gesundheits- und Ärztewesen arbeiten, ihr Bestes, um die Corona-Pandemie wieder einzudämmen und die Patienten so gut wie möglich zu versorgen. Während die momentane ärztliche Versorgung im Kreis noch relativ gut dasteht, verspüren einzelne Kommunen bereits den Mangel an Hausärzten, wie beispielsweise Mettingen mit drei, Hopsten ebenfalls mit drei und Lotte mit derzeit fünf Hausärzten“, sagt Sundermann (Stand Februar 2020).

 

6,5 Hausarztsitze im Kreis Steinfurt derzeit nicht besetzt

Wie viele Ärztinnen und Ärzte sich an einem Ort niederlassen können, regelt die sogenannte Regionale Verhältniszahl, das heißt die Einwohnerzahl pro Arzt, die von den Kassenärztlichen Vereinigungen vorgegeben wird. In Hopsten und Mettingen liege diese Zahl beispielsweise bei 1.684, in der Realität seien es in Hopsten aber 2.533 und in Mettingen 3.961 Einwohner pro Arzt. Im gesamten Kreis Steinfurt sind derzeit 6,5 Hausarztsitze frei bzw. nicht besetzt.

 

An die Stelle von Notärzten soll der Telenotarzt treten

Wie viele Notärzte konkret im Kreis fehlen würden, darüber konnte die Landesregierung Sundermann keine Auskunft erteilen, weil „der Kreis Steinfurt als Träger des Rettungsdienstes […] über kein kreiseigenes ärztliches/nichtärztliches Rettungsdienstpersonal“ verfüge, sondern Verträge mit Hilfsorganisationen, Krankenhäusern und einem auf Honorarbasis funktionierenden Notarztpool habe. Es werde für die Kliniken jedoch immer schwieriger, genügend Notärztinnen und Notärzte zu stellen. Auch „nicht-ärztliches Rettungsdienstpersonal“ werde immer knapper, weshalb zukünftig laut Aussage der Landesregierung auch anerkannte Hilfsorganisationen in den Rettungsdienst mit eingebunden werden sollen. An die Stelle von Notärzten soll außerdem ein/e Telenotarzt/-ärztin treten, d.h. die Versorgung übernimmt das Rettungsdienstpersonal, das entsprechend ausgebildet werde und erweiterte Maßnahmen vornehmen könne.

 

Dafür sorgen, dass sich in Zukunft wieder Ärzte im Kreis Steinfurt niederlassen

„Die Erkenntnis, dass uns in den nächsten Jahren ein Ärztemangel im Kreis Steinfurt bevorsteht, ist ja nicht unbedingt neu. Deshalb muss der Fokus verstärkt darauf liegen, auf den in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf uns zukommenden Ärztemangel vorbereitet zu sein. Deshalb möchte ich dringend an die schwarz-gelbe Landesregierung appellieren, dafür zu sorgen, dass sich Ärzte, insbesondere Haus- und Notärzte, hier bei uns in der Region niederlassen“, mahnt Sundermann. „Neben finanziellen Anreizen zur Ansiedelung von Ärztinnen und Ärzten im ländlichen Bereich können für unseren Flächenkreis Steinfurt die Telemedizin und Videosprechstunden wichtige Instrumente sein“, sagt Sundermann. „Hier brauchen wir mehr Förderung und mehr Unterstützung vom Land.“

 

Pressemitteilung als PDF