120 Opfer von Gewaltverbrechen fanden Hilfe beim Weißen Ring

Jürgen Roscher (r.) vom Weißen Ring Steinfurt berichtete dem SPD-Landtagsabgeordneten Frank Sundermann über die Arbeit des Weißen Rings, der in der Öffentlichkeit noch viel bekannter werden müsse. Bild: Wahlkreisbüro Sundermann
22. März ist „Tag der Kriminalitätsopfer“

Kreis Steinfurt/Tecklenburger Land. „Man muss mitfühlen, darf aber nicht mitleiden“, sagt Jürgen Roscher, Leiter der Außenstelle Steinfurt des Weißen Rings, einer Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität und Gewaltverbrechen. Das sei vor dem Hintergrund der oft schweren Sexual- und Gewaltverbrechen, die den Menschen widerfahren sind, häufig nicht einfach.

 

2019 steht Gewalt an Senioren im Fokus

Zum „Tag der Kriminalitätsopfer“ am 22. März hat sich der hiesige SPD-Landtagsabgeordnete Frank Sundermann mit Roscher über die Arbeit des Weißen Rings im Kreis Steinfurt ausgetauscht und Bilanz gezogen. Während in diesem Jahr das Thema Gewalt und Delikte an Senioren im Fokus steht, fanden im Jahr 2018 über 120 Menschen Hilfe beim Weißen Ring Steinfurt – vor allem nach häuslicher Gewalt, Sexualverbrechen, schwerer Körperverletzung und Raubdelikten.

 

Weißer Ring noch immer in Bevölkerung nicht sehr bekannt

„Auch wenn der in den 1970er-Jahren gegründete Weiße Ring als Hilfsorganisation in der Bevölkerung noch immer nicht sehr bekannt ist, hat er als Fürsprecher für die Opfer von Gewaltverbrechen schon an vielen gesetzlichen Verbesserungen mitgewirkt“, sagt Roscher. Dazu gehöre die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe, eine Besserstellung des Opfers im Strafverfahren, bessere Opferschutzbestimmungen und auch das Opferentschädigungsgesetz. Roscher: „Wir müssen in der Öffentlichkeit noch mehr über unsere Arbeit informieren, denn bislang finden die Opfer kaum von alleine, sondern vorwiegend durch Vermittlung der Polizei, von Frauenhäusern oder Frauenberatungsstellen zu uns.“

 

Lange Zeit standen Täter im Fokus, nicht die Opfer

Sundermann verwies darauf, dass lange Zeit bei Polizei und Gerichten die Verfolgung und Verurteilung bzw. Bestrafung der Täter im Fokus stand, die Opfer jedoch kaum gehört wurden: „Da leistet der Weiße Ring eine wichtige Arbeit, wenn es darum geht, die Opfer und deren familiäres Umfeld zu betreuen, sie über Hilfs- und Entschädigungsmöglichkeiten zu informieren, an Traumaambulanzen zu vermitteln oder sie auf Wunsch beim Gang zur Polizei, zum Anwalt oder Gericht zu begleiten und ihnen in Notsituationen auch finanziell zu helfen.“

 

Schnellere Bearbeitungszeit der Fälle bei Gerichten nötig

Es seien aber auch noch Besserungen nötig, wie etwa eine schnellere Bearbeitungszeit der Fälle bei den Gerichten. Wenn es Monate dauert, bis ein Verfahren beginnt oder sich die Verfahren in die Länge ziehen, sei das für die Opfer häufig nur schwer zu ertragen, sagt Roscher. Auch könnte das Bewusstsein für die Bedürfnisse und Erwartungen von Straftatenopfern noch stärker ausgeprägt sein.

 

Prävention genauso wichtig wie Betreuung der Opfer

Genauso wichtig wie das Zuhören, Beraten und Betreuen der Opfer sei die Prävention. „Insbesondere bei Delikten und Gewaltverbrechen gegenüber Senioren hilft nur Prävention und Information. Sowohl der klassische Enkeltrick, Betrügereien durch falsche Polizisten als auch Gewalt in der Pflege nehmen spürbar zu“, erklärt Roscher. Immerhin machen Senioren rund 20 Prozent der Bevölkerung aus, weshalb der Weiße Ring in diesem Jahr den „Tag der Kriminalitätsopfer“ am 22. März der Sensibilisierung älterer Menschen für mögliche Gefahren widmet.

 

Zum Hintergrund: Der Weiße Ring – Außenstelle Steinfurt

In der Außenstelle Steinfurt, eine von 400 Außenstellen des Weißen Rings, kümmern sich derzeit acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um die Opfer von Gewaltverbrechen. Sie sind ausschließlich ehrenamtlich tätig und sind umfassend geschult. Der Weiße Ring ist deutschlandweit telefonisch unter der kostenlosen Notfallnummer 116 006 zu erreichen. Er bietet auch eine Onlineberatung an: www.weisser-ring.de.

 

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