Fast 10.000 arme Kinder leben im Kreis Steinfurt

Frank Sundermann (SPD): „Für die bisher zur Zahlung von Straßenausbaubeiträgen verpflichte-ten Grundstückseigentümer wäre die Abschaffung der Straßenaus-baubeiträge eine deutliche Entlastung." Bild: Büro Sundermann
Sundermann: Kommunen über Förderprogramme informieren

Kreis Steinfurt. „Obwohl wir seit 2010 eine Zeit des stetigen Wirtschaftswachstums haben, leben derzeit knapp 10.000 arme Kinder im Kreis Steinfurt, die Sozialhilfeleistungen bekommen. Das entspricht knapp 12 Prozent der Bevölkerung“, sagt der Landtagsabgeordnete des Tecklenburger Landes, Frank Sundermann (SPD). Sundermann hatte sich in einer Kleinen Anfrage an die schwarz-gelbe Landesregierung über die aktuelle Entwicklung der Kinderarmut sowie über mögliche Fördermöglichkeiten des Landes für die Kommunen im Kreis Steinfurt informiert. „Allerdings reicht es nicht aus, immer nur Geld in neue Projekte zu stecken. Wir brauchen zur Behebung der Ursachen unter anderem auch eine kostenlosen Kita und den Ausbau der Ganztagsbetreuung inklusive Essen“, fordert Sundermann.

 

Bessere Informationen über finanzielle Mittel vom Land

Sundermann: „Eigentlich ist der Kreis Steinfurt eine reiche Region, weshalb die verhältnismäßig hohe Zahl armer Kinder umso schwerer wiegt und ein drängendes Problem offenbart.“ Zugleich gebe es aber finanzielle Mittel vom Land, die von den Kommunen nicht oder nicht vollständig abgerufen würden. „Hier brauchen wir mehr Information, damit die Städte und Gemeinden von vorhandenen Förderprogrammen des Landes profitieren können.“

 

Forderung nach besserer Grundsatzversorgung: Kita und Ganztag

Doch das Problem der Kinderarmut müsse auch durch eine bessere Grundsatzversorgung aufgefangen werden: kostenlose Kita inklusive Essen und eine kostenlose Ganztagsbetreuung, weil die Kosten für die OGS teilweise an die Eltern weitergegeben werden. „Natürlich sind die Ursachen für Kinderarmut deutlich vielfältiger, so dass wir mehr Unterstützung für Geringverdiener und einen höheren Mindest-lohn brauchen.“

 

Kinderarmut in den Städten besonders hoch

Während im Kreis Steinfurt die Anzahl armer Kinder, die auf Sozialhilfen angewiesen sind, im Jahr 2010 noch bei rund 6.500 (7,5 Prozent der Bevölkerung) lag, stieg sie bis 2015 auf 10.300 Kinder und liegt derzeit bei 9.520 Kindern bzw. 11,7 Prozent (2017). Besonders hoch ist die Kinderarmut in den größeren und mittleren Städten des Kreises wie Rheine, Steinfurt (jeweils 15,5 Prozent) und Ochtrup (13,7 Prozent) im Jahr 2017, gefolgt von Greven (12,4 Prozent) und Lengerich (12,2 Prozent) sowie der Gemeinde Lotte (13,7 Prozent). Umgekehrt war eine eher geringe Quote besonders im ländlichen Raum zu finden, wie in Mettingen (6 Prozent), Hopsten (6,2 Prozent) und Tecklenburg (6,5 Prozent).

 

Auf langfristige Maßnahmen setzen: von Schwangerschaft bis Beruf

Dabei sei der Kreis Steinfurt eine von 40 Modellkommunen des Programms „Kommunale Präventionsketten“, wie Sundermann erklärt. „Hinter diesem Begriff verbergen sich Angebote und Maßnahmen für Gesundheit, Bildung, Kinder- und Jugendhilfe sowie Soziales, um Kinder und Familien zu unterstützen, und zwar von der Schwangerschaft bis zum Eintritt ins Berufsleben.“ Von der rot-grünen Landesregierung bereits unter dem Titel „Kein Kind zurücklassen“ initiiert, freut sich Sundermann, dass die schwarz-gelbe Landesregierung dieses Programm weiterführt und auf langfristige Maßnahmen setzt: „Das ist ein richtiger und wichtiger Schritt, um die Kinderarmut endlich in den Griff zu bekommen.“

 

30.000 Euro Fördermittel für Kreis Steinfurt

Für die Jahre 2017 und 2018 habe der Kreis Steinfurt jeweils knapp 30.000 Euro Fördermittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) erhalten. „Was mich angesichts der hohen Anzahl armer Kinder überrascht, ist die Tatsache, dass im Rahmen des Förderprogramms ‚Starke Quartiere – starke Menschen‘ zum Thema Kinderarmut keine Mittel des ESF von Städten oder Gemeinden des Kreises Steinfurt beantragt wurden. Hier müssen die Kommunen offenbar noch besser informiert werden, damit sie von den vorhandenen Fördermöglichkeiten profitieren können“, sagt Sundermann.

 

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