„Die Pflege scheitert am Personal“ – Nachhaltige Förderung nötig

Über die Folgen der zunehmenden Ökonomisierung des Gesundheitswesens tauschten sich der Landtagsabgeordnete Frank Sundermann (SPD), Bernadette Wiegand, Stellvertretende Vorstandsvorsitzende und pädagogische Fachberatung, Conny Schöttner, fachliche Leitung im Bereich Wohnen und Pflege, und Johannes Hille, Vorstandsvorsitzender vom DRK Kreisverband Tecklenburger Land e.V. (v.l.n.r.) aus. Bild: Büro Sundermann
Im Gespräch mit DRK über Ökonomisierung des Gesundheitswesens

Ibbenbüren/Tecklenburger Land. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Tecklenburger Land hat die gleichen Personalprobleme und erfährt den gleichen Personalmangel wie überall im Bundesgebiet. „Wir handeln so flexibel wie es uns eben möglich ist, um möglichst vielen Menschen zu helfen“, erklärt Johannes Hille, Vorstandsvorsitzender vom DRK Kreisverband Tecklenburger Land e.V.

 

„Zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens wahrzunehmen“

Der Landtagsabgeordnete des Tecklenburger Landes, Frank Sundermann (SPD), hat sich beim DRK in Ibbenbüren über die aktuelle Situation der Freien Wohlfahrtspflege informiert: „Die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens ist deutlich wahrzunehmen und wird die Politik und Gesellschaft in Zukunft vor große Herausforderungen stellen, wenn weiterhin der Mensch und nicht der Gewinn im Vordergrund stehen soll.“

 

Baustein Pflege dürfe nicht fehlen

Entsprechend umfangreich war die Themenliste: Fachkräftemangel in der Pflege, nachhaltige Förderung im Bereich Inklusion, Finanzierung von betreutem Wohnen bzw. ambulanter Wohnkonzepte, Frühförderung in Kindergärten, Altkleidersammlung, Ehrenamt und Rettungsdienst. Jahrelang sei auf den Fachkräftemangel hingewiesen worden, sagt Conny Schöttner, fachliche Leitung im Bereich Wohnen und Pflege. Während die pädagogische Hilfe und der Unterhalt von besonderen Wohnformen für behinderte Menschen problemlos zu finanzieren sei, dürfe der Baustein Pflege nicht fehlen.

 

Kommerzialisierung der Tagespflege und Altkleidersammlung

Insbesondere in den Bereichen Tagespflege und bei der Altkleidersammlung zeige sich die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens. Schöttner: „Es gibt immer mehr private Pflegedienste, die betriebswirtschaftlich handeln, was dazu führt, dass Menschen mit den Pflegestufen vier und fünf nicht aufgenommen werden.“ Im Bereich Altkleidersammlung fordert Hille klar und deutlich: „Die kommerziellen Sammler sollten möglichst keine Genehmigung erhalten, Container auf öffentlichen Plätzen aufzustellen.“ Der Erlös aus den vom DRK im Tecklenburger Land aufgestellten Containern, deren Unterhalt, Leerung und Sortierung ebenfalls Arbeitsplätze schaffen würde, käme dem Ehrenamt und der sozialen Arbeit des DRK zugute.

 

Inklusion: Nachhaltige Förderung für geregelte Lebenswelt

Schließlich ging es um eine nachhaltige Förderung bei der Inklusion behinderter Menschen in den Arbeitsmarkt. „Viele von ihnen sind nach ihrer Ausbildung zu gut für die Werkstätten aber zu schwach für den ersten Arbeitsmarkt“, sagt Präsident Heinz Hüppe. Hier könne eine dauerhafte Förderung als Lohnkostenzuschuss eine sinnvolle Lösung sein, diesen Menschen nicht zeitlich begrenzt, sondern nachhaltig eine geregelte Lebens- und Arbeitswelt zu ermöglichen. Bernadette Wiegand, Stellvertretende Vorstandsvorsitzende und pädagogische Fachberatung, wies schließlich auf die Herausforderungen in der frühkindlichen Förderung hin: „Ich mache mir Sorgen über die zukünftige Finanzierung der Therapien für heilpädagogisch geförderte Kinder. Außerdem brauchen wir kleinere Gruppen und mehr Personal in den Einrichtungen.“

 

Zu viel Zeit für Dokumentation und Reglementierungen

Sundermann stellte in dem Gespräch außerdem fest, dass Dokumentation und Reglementierungen in fast allen Bereichen der Pflege und Betreuung zu viel Zeit und Energie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Anspruch nehmen. „Doch nicht Pauschalen sind die Lösung, sondern eine Vereinfachung“, waren sich alle einig.

 

Sundermanns „Heimat“-Tour durch das Tecklenburger Land

Zum Hintergrund: Der hiesige Landtagsabgeordnete Sundermann hat vor zweieinhalb Jahren eine „Heimat“-Tour gestartet, auf der er Institutionen und Einrichtungen besucht, die den Zusatz „Tecklenburger Land“ in ihrem Namen tragen. Das DRK Tecklenburger Land war neben den aktuellen Herausforderungen eine weitere Station auf dieser Tour.

 

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