„Insekten haben keine Lobby“

Sprachen über die Herausforderungen im Natur- und Umweltschutz im Tecklenburger Land: (v.l.n.r.): Klaus Helms, Irmgard Heicks und Bernd Freickmann von der ANTL, Landtagsabgeordneter Frank Sundermann sowie der zweite Vorsitzende der ANTL Thomas Volk und ANTL-Mitglied Georg Post.

Landtagsabgeordneter Sundermann und ANTL im Austausch über Herausforderungen im Umweltschutz

 

Tecklenburg. „Insekten und Würmer haben keine Lobby“, bedauerte Thomas Volk, zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL). Im Gespräch mit dem örtlichen Landtagsabgeordneten Frank Sundermann (SPD), der sich bei der ANTL in Tecklenburg über die aktuellen Herausforderungen im Umweltschutz informiert hat, kam nicht nur der bedrohliche Insektenrückgang zur Sprache.

 

Themen: Stallfinanzierung, Flächenpflege und Ausgleichsmaßnahmen

Thema war auch die Finanzierung eines neu geplanten Stalls in Brochterbeck für die 600 Tiere umfassende Wanderschafherde, die ihr zu Hause am Rande des Teutoburger Waldes hat. Weitere Aspekte waren die Finanzierung und Durchführung der Flächenpflege, die Kontrolle der Ausgleichsmaßnahmen von Landwirtschaft und Unternehmen sowie die Aufwertung städtischer Bereiche für den Naturschutz.

 

„Insektenrückgang um bis zu 80 Prozent ist alarmierend“

„In den letzten zehn Jahren sind die Insekten quantitativ um bis zu 80 Prozent zurückgegangen, wie Daueruntersuchungen des Entomologischen Vereins Krefeld gezeigt haben. Das ist mehr als alarmierend und ein großes Problem für Vögel, Bienen, Fledermäuse und auch für den Menschen“, warnte Volk. Selbst die Insekten auf Blühstreifen und an Straßen- und Ackerrändern seien massiv gefährdet, da nach Erkenntnissen von ausgewiesenen Insekten-Experten mit negativen Auswirkungen des Einsatzes von Insektiziden auf Äckern über eine Entfernung von mindestens fünf Kilometern zu rechnen ist.

 

Forderung: Pestizideinsatz stärker kontrollieren

„Solche Abstände zu Naturschutzflächen sind natürlich fast unmöglich“, ergänzte Georg Post. „Wir fordern deshalb eine Dokumentation und starke Kontrolle des Einsatzes von Pestiziden. Außerdem müssen sie endgültig aus den Bau- und Supermärkten verbannt und ihr Einsatz auf privaten und öffentlichen Flächen verboten werden.“

 

Flächenkonkurrenz: Lebensraum im innerstädtischen Bereich schaffen

Die Flächenkonkurrenz zwischen versiegelten Baugrundstücken, Landwirtschaft und Naturschutz sei kein neues, aber immer stärker werdendes Problem. „Weil die Lebensräume in den landwirtschaftlich genutzten Flächen für Wildtiere und Pflanzen immer knapper werden und viele Tiere eine Zuflucht im städtischen Raum suchen, könnte Lebensraum geschaffen werden, indem innerstädtische Bereiche aufgewertet werden“, sagt Volk. Durch zielgerichtete Maßnahmen für den Naturschutz könne auch der Wohnraum für den Menschen attraktiver werden, so Volk.

 

Ehrenamtliche ANTL auf Fördergelder vom Land angewiesen

Sundermann nahm auch einige Anregungen mit nach Hause, wie Förderprojekte vom Land, etwa LEADER oder ELER (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums), weniger bürokratisch und effektiver gestaltet werden könnten. Für die Finanzierung von Maschinen für die Landschaftspflege und den notwendig gewordenen Schafstall sei die ehrenamtlich tätige ANTL dringend auf Fördergelder angewiesen.

 

Sundermann: „ANTL nimmt wichtige gesellschaftliche Aufgabe wahr“

„Die ANTL nimmt eine sehr wichtige gesellschaftliche Aufgabe wahr und widmet sich neben dem Umweltschutz auch der Umweltbildung. Der Verein beteiligt sich am Bundesfreiwilligendienst und beschäftigt junge Menschen im Freiwilligen Ökologischen Jahr. Da soll ein zu großer bürokratischer Aufwand die Arbeit natürlich nicht erschweren oder gar zu teuer machen“, betonte Sundermann, der als gelernter Gärtner und studierter Gartenbauingenieur bei dem Gespräch mit den Mitarbeitern der ANTL auch ins Fachsimpeln kam.

 

Pressemitteilung als PDF: PM ANTL_final