„Keiner fällt in’s Bergfreie“ – Kohlestandorte bekommen gleiche Förderung vom Land

Wie geht es nach dem Ende der Kohleförderung in Ibbenbüren weiter? Wirtschaftsminister Duin (M.) war nach Ibbenbüren zur RAG gekommen, um dort u.a. mit Frank Sundermann darüber zu sprechen. Bild: Marina Stalljohann-Schemme

Wirtschaftsminister Duin spricht im RAG-Ausbildungszentrum über Zeit nach Kohleausstieg

 

„Es wird hier kein Tal der Tränen geben und niemand wird in’s Bergfreie fallen“, beteuerte Garrelt Duin, Wirtschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, im Hinblick auf die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Ausstiegs aus der Steinkohleförderung in Ibbenbüren Ende 2018. Auch Gastgeber Frank Sundermann, Landtagsabgeordneter des Tecklenburger Landes, verwies auf den zukunftsgewandten Namen „Gute Aussichten“, den der Konversionsprozess in der Kohleregion Ibbenbüren trägt. Sundermann hatte Duin nach Ibbenbüren ins RAG-Ausbildungszentrum eingeladen, um mit dem RAG-Geschäftsführer Jörg Buhren-Ortmann, Betriebsratsvorsitzendem Uwe Wobben und dem stellvertretenden Bürgermeister der ehemaligen Bergarbeiterstadt Kamen, Manfred Wiedemann, über die aktuelle und zukünftige Situation des Bergwerks und der Nachfolgenutzung – „ein Sahnestück von 70 Hektar“ zu sprechen.

 

Ausstieg langfristig geplant und gut vorbereitet worden

Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gewerkschaft IGBCE und dem Bergbau waren der Einladung Sundermanns gefolgt und hatten sich an der lockeren Diskussionsrunde mit dem Minister beteiligt. Nachdem Buhren-Ortmann einen kurzen Überblick über den aktuellen Stand der Aktivitäten des Bergwerks gegeben hatte, in dem derzeit noch etwa 1250 Mitarbeiter arbeiten, wurde in der folgenden Diskussion vor allem eines deutlich: Der Konversionsprozess und der Ausstieg aus der Steinkohleförderung sind in Ibbenbüren sehr frühzeitig begonnen und langfristig geplant und vorbereitet worden. So konnte Buhren-Ortmann von einer „relativ entspannten Atmosphäre“ und einer „hohen Motivation“ aller Beteiligten sprechen.

 

Alle Teilnehmer der Diskussionsrunde im RAG-Ausbildungszentrum (v.l.n.r.): Manfred Wiedemann, Garrelt Duin, Frank Sundermann, Geschäftsführer Jörg Buhren-Ortmann und Betriebsratsvorsitzender
Uwe Wobben.
Ibbenbürener Ausgangslage besser als im nördlichen Ruhrgebiet

„Die Struktur und Ausgangslage hier im Münsterland sind deutlich besser als im nördlichen Ruhrgebiet“, sprach Duin aus seiner Erfahrung der vergangenen Jahre. „Auch wenn andere Regionen bekannter sind oder der Kohleausstieg für sie viel größere Folgen hat, wie etwa Prosper Haniel, kann ich Ihnen versichern, dass die Landesregierung alle ehemaligen Förderregionen finanziell gleich behandeln wird“, betonte der Minister. Es müsse aber auch allen klar sein, dass nicht wieder ein großer Arbeitgeber bzw. ein großes Unternehmen mit so vielen Arbeitsplätzen hierher kommen werde, sondern sich Haltung und Denkweise ändern müssten. Es werden sich vermutlich mehrere kleine und mittlere mittelständische Unternehmen auf der frei werden Fläche ansiedeln. Über eine drohende Arbeitslosigkeit machten sich Duin, Sundermann und Buhren-Ortmann im Hinblick auf den derzeit herrschenden Fachkräftemangel und die gute Ausbildung bei der RAG keine Sorgen.

 

Ende der Kohleförderung wird „sehr emotionale Verabschiedung“ sein

Wie sicherlich die meisten Ibbenbürener Bergleute heute, konnte Wiedemann sich 1983 nur schwer damit abfinden, als die Schachtanlage „Grillo“ der Zeche „Monopol“ in Kamen nach genau 110 Jahren stillgelegt wurde: „Doch damals wie heute heißt es ‚in die Hände‘ spucken, und das werden wir auch packen.“ Die Schließung habe in Kamen zu mehr Arbeitslosigkeit geführt und erst 20 Jahre später sei der damalige Beschäftigungsstand erreicht. „Doch keiner fiel ins Bergfreie, und das wird auch hier in Ibbenbüren nicht passieren.“ Natürlich werde der Moment der letzten Kohleförderung eine sehr emotionale Verabschiedung sein, aber die Bergleute schauen nach vorne und die Politik wird auch hier – wie in Kamen – immer auf der Seite des Bergbaus stehen. Wiedemann: „Dafür wünsche ich euch hier in Ibbenbüren ‚Glück auf!‘“

 

Meldung als PDF: PM Duin RAG