Gelebte Inklusion im Supermarkt

Volle Regale, zufriedene Kunden und engagiertes Personal im "LebensMittelpunkt": Geschäftsleiterin Marianne Büscher r.) erklärt Bürgermeister Stefan Streit, Frank Sundermann und Minister Rainer Schmeltzer v.l.n.r) das besondere Konzept. Bild: Marina Stalljohann-Schemme

NRW-Minister Schmeltzer und Sundermann MdL besuchen erfolgreiche Projekte in Mettingen und Leeden

In einer eigenen Wohnung zu wohnen, sich seinen Alltag selbstständig zu organisieren oder regulär Arbeiten zu gehen – das ist wohl für die meisten Menschen selbstverständlich. Doch für Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung ist das eine große Herausforderung und oftmals nicht möglich. Doch manchmal wird scheinbar Unmögliches möglich gemacht.

 

DRK-Wohnhein Mettingen und „LebensMittelpunkt“ in Leeden als herausragende Projekte

Rainer Schmeltzer, NRW-Landesminister für Arbeit, Integration und Soziales, war am Dienstag auf Einladung des SPD-Landtagskandidaten für den Wahlkreis 83, Frank Sundermann, zu Gast im Tecklenburger Land. Dort hat er sich zwei erfolgreiche Projekte angeschaut, in denen Integration und Inklusion erfolgreich gelebt werden: das DRK-Wohnheim „Werner-Meyknecht-Haus“ in Mettingen und den Supermarkt „LebensMittelpunkt“ der Ledder Werkstätten in Leeden.

Informierten sich über die DRK-Wohngruppe in Mettingen: Minister Rainer Schmeltzer (2.v.l.) und Frank Sundermann MdL (3.v.l.). Mit dabei Bürgermeisterin Christina Rählmann (2.v.r.) und DRK-Vorsitzender Franz-Josef Schrameyer.

 

„Wenn der Kontakt mit behinderten Menschen da ist, gibt es oft keine Probleme beim Thema Integration mehr“

Minister Schmeltzer, zuständig auch für Inklusion und Integration, zeigt sich beeindruckt von der DRK-Wohngruppe, in denen es zehn Menschen mit Behinderung ermöglicht wird, eigenständig zu leben und von zu Hause auszuziehen: „Wenn der Kontakt mit behinderten Menschen da ist und die Situation gelebt wird, gibt es oft gar keine Probleme beim Thema Integration mehr. Erst wird immer alles problematisiert, doch es ist eine Frage der Gesellschaft. Wenn man damit zu tun hat, geht man auch anders damit um“, berichtet der Minister aus seiner Erfahrung.

 

Enorme Erleichterung für die Eltern – Kinder gut aufgehoben

Einige Mütter der Bewohner erklären dem Minister und dem Landtagsabgeordneten, dass ihr Herz sehr zwiegespalten war, als ihre – mittlerweile erwachsenen – Kinder von zu Hause auszogen. Das Loslassen sei zunächst sehr schwierig, aber letztlich die richtige Entscheidung gewesen: Ihnen sei ein Stein vom Herzen gefallen, weil sie nun wissen, dass ihre behinderten Kinder auch in späteren Jahren sehr gut aufgehoben seien, wenn sie selbst einmal alt seien und sich nicht mehr kümmern könnten. Außerdem würden sie sich in ihrer Zehner-WG ausgesprochen wohl fühlen.

 

Mettinger Intensiv-Hausgemeinschaft als Vorzeigemodell

Schmeltzer und Sundermann wurden von Franz-Josef Schrameyer, DRK Vorsitzender, durch die gesamte Einrichtung geführt. Auch wurde über die gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie besonderen Herausforderungen für derartige Intensiv-Hausgemeinschaften gesprochen und diskutiert. Das Mettinger Modell sei auf jeden Fall ein Vorzeigemodell. Sowohl durch das eigenständige Wohnen als auch durch selbstbestimmtes Arbeiten würden die Menschen, die körperlich oder geistig beeinträchtigt sind, ein Stück Lebensqualität gewinnen und auch ihre Würde zurückbekommen, betont Schmeltzer: „Sie nehmen wie selbstverständlich am gesellschaftlichen Leben teil.“

 

„LebensMittelpunkt“ ermöglicht reguläre Arbeitsplätze

Der Sozialdemokrat hört auch den Beschäftigten des „LebensMittelpunktes“ geduldig zu und fragte Geschäftsleiterin Marianne Büscher, ob es schon vorgekommen sei, dass sich die Kundschaft davon gestört fühlte, dass hier Menschen mit Behinderung arbeiten würden. „Nö“, berichtet sie, „das stört hier keinen. Die Kunden finden es gut, dass man sich Zeit für sie nimmt. Und dass sie hier ein breites Sortiment finden und auch noch einen guten Kaffee bekommen. Nachmittags ist unser Samocca-Foyer meist ziemlich gut besetzt.“ Seit Dezember führen die Ledder Werkstätten das Lebensmittelgeschäft in der vormaligen Filiale der Kreissparkasse. Inzwischen fünf Menschen mit Behinderung sind dort beschäftigt, leisten alle Aufgaben, die in einem Laden anfallen und haben richtig viel Spaß an ihrer neuen Aufgabe.

Mitarbeiterin Bianka Holtmann (l.) hat im „LebensMittelpunkt“ trotz ihrer Behinderung einen Arbeitsplatz gefunden. Sie erklärt den Gästen die alltäglichen Abläufe des Geschäfts, in die sie – bis auf die Bestellungen – vollständig involviert ist.

 

Arbeitsplätze geschaffen und Versorgungslücke geschlossen

Sundermann betont, dass sich hier ein Kreis schließe: „Es wurden nicht nur Arbeitsplätze geschaffen, sondern auch eine Versorgungslücke geschlossen, nachdem es in Leeden keinen Supermarkt mehr gab. Davon profitieren besonders die älteren Menschen, die nicht mehr mit dem Bus in den nächsten Ort fahren müssen.“ Minister Schmeltzer merkt an, dass sich die Menschen mit Behinderung als „echte Arbeitnehmer“ fühlen könnten. Beim Gang durch die Regale sind die Politiker beeindruckt von der Angebotsvielfalt. Büscher ergänzt, dass versucht werde, Lebensmittel wie Fleisch, Brot oder Eier aus der Region zu beziehen. Bürgermeister Stefan Streit betont, dass der Ortsteil zuvor über Jahre gar keine Grundversorgung mehr gehabt habe: „Das ist hier eine total gelungene Folgenutzung.“ Der Minister erkundigt sich bei dem kaufmännischen Leiter, Horst Dölling, nach den Umsätzen der ersten vier Monate, der Finanzierung des Projekts und den Öffnungszeiten. Dölling: „Die Beschäftigten hier haben Sicherheit. Das ist für uns entscheidend“.

 

Über Konzept von „Café Samocca“ und „Visavis Samocca“ informiert

Eine gute Stunde später nehmen die Sozialdemokraten Platz im Lengericher Samocca-Café, lassen sich über das Konzept informieren und besuchten zum Abschluss das „Visavis Samocca“ – dann geht´s weiter in den Heimatwahlkreis von Minister Schmeltzer. Nach Lünen, wo schon die nächsten Wahlkampftermine auf ihn warten.

 

Pressemitteilung als PDF: PM Schmeltzer DRK und LeWe