„Die Chancen von Migration und Zweisprachigkeit sehen“

Staatssekretär Klute und Landtagsabgeordneter Sundermann besuchen Schule Intrup und Leopard Lengerich

„Wenn über Migration und Integration gesprochen wird, werden oft die Chancen und Möglichkeiten der Kinder übersehen, die hier in Deutschland zwei- oder mehrsprachig aufwachsen“, betont Thorsten Klute, Staatssekretär für Integration im nordrhein-westfälischen Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales. Der Landtagsabgeordnete des Tecklenburger Landes, Frank Sundermann, hat mit ihm die Grundschule Intrup und den Sportverein Leopard Lengerich e.V. besucht – zwei ganz unterschiedliche Orte, an denen tagtäglich Integration gelebt wird.

Herausforderungen, Probleme und Chancen von Integration

Schulleiter Roland Hennig und der Gründer des Taekwondo-Vereins, Yako Alarslan, sprachen mit den beiden SPD-Politikern über die Herausforderungen, Probleme und Chancen von Integration, die vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Weltlage auch in Lengerich von besonderer Bedeutung ist.

Ohne persönliches Engagement sähe die Welt in Lengerich anders aus

Eins wurde sofort deutlich: Ohne das persönliche, über den Schulunterricht hinausreichende und ehrenamtliche Engagement der Grundschullehrerinnen und Lehrer in Intrup sowie der Trainer, Kinder und Eltern der „Leoparden“ sähe die Welt in Lengerich wohl anders aus. Viele der Grundschüler haben einen Migrationshintergrund und leben in erster, zweiter oder teils auch schon dritter Generation in Deutschland. Das soziale Umfeld – geringes Einkommen, alleinerziehende Mütter oder fehlende Deutschkenntnisse der Eltern – verspricht zunächst keine gute Ausgangsbedingung für die jungen Menschen zu sein.

Kinder in Kiten und Grundschulen lernen schnell Deutsch – sehr guter Bildungshintergrund

„Interessanterweise ist der Anteil unserer Schüler, der anschließend zum Gymnasium geht, aber genauso hoch wie an anderen Schulen“, betont Hennig. Klute überrascht dies wenig: „Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass vor allem die jüngeren Kinder in den Kiten und Grundschulen sehr schnell Deutsch lernen. Außerdem haben viele von ihnen einen sehr guten Bildungshintergrund, das wird oft übersehen. Hier bestehen super Bildungschancen.“ Auch wenn die Ausgaben für Bildung in NRW in den Jahren der rot-grünen Koalition um 30 Prozent gestiegen seien, fordert Hennig mehr Unterstützung: „Es müssen Ressourcen abseits von Quoten geschaffen werden. Außerdem gestaltet sich der Lehrermarkt sehr schwierig.“

„Wahnsinn, was mit Sport an Integration geleistet werden kann“ – Deutsche-, Europa- und Weltmeister

Sundermann und Klute zeigten sich anschließend beim Sportverein Leopard Lengerich e.V. beeindruckt: „Wahnsinn, was mit Sport an Integration geleistet werden kann.“ Auch wenn der Begründer des Vereins für Taekwondo, Kickboxen und Hip Hop, Alarslan, in Deutschland geboren wurde, war es unmöglich für ihn, Unterstützung und Fördergelder bei der Gründung des Vereins zu bekommen. „Aber das Engagement der Jugendlichen und Eltern war phantastisch und wir sind heute sehr erfolgreich.“ So erfolgreich, dass der Verein mehrfach Deutsche-, Europa- und Weltmeister und sogar Olympiateilnehmer hervorgebracht hat.

„Wir verstehen uns als Sportverein und nicht als Migrationsverein“

„Wir verstehen uns als Sportverein und nicht als Migrationsverein“, betont Alarslan. Auch wenn der Verein besonders durch die vielen unterschiedlichen Kulturen, die dort zusammen trainieren, geprägt sei, stehe der Sport im Vordergrund. „Der Sport und die deutsche Sprache verbinden uns. Sonst würde es zu Gruppenbildungen kommen“, so Alarslan.

Klute: Begriff „Migration“ durch den Begriff „Teilhabe“ ersetzen

Klute und Sundermann fühlten sich in der regen Diskussion darin bestärkt, dass es eher um den Begriff „Teilhabe“ statt „Migration“ gehen muss. „Wie kann man diesen Prozess fördern, wie lässt sich Alltagsrassismus verhindern. Das sind Fragen, über die wir nicht nur im Ministerium nachdenken, sondern eben auch mit den Menschen vor Ort in den Gemeinden, Städten und Vereinen“, sagt Klute.