Süßer Moment für den General

Naschen erlaubt: André Stinka, Generalsekretär der NRW-SPD (l.), und Landtagsabgeordneter Frank Sundermann (2.v.l.) bedienen sich an Macaronen von Elke Neff. Geschäftsführer Christian Rabbel (2. v.r.) führte durch das Unternehmen. Bild: Frank Klausmeyer/WN
Naschen erlaubt: André Stinka, Generalsekretär der NRW-SPD (l.), und Landtagsabgeordneter Frank Sundermann (2.v.l.) bedienen sich an Macaronen von Elke Neff. Geschäftsführer Christian Rabbel (2. v.r.) führte durch das Unternehmen. Bild: Frank Klausmeyer/WN

Als Berufspolitiker hat man es ja auch nicht immer leicht: Quälend lange Debatten, ewig Termine bis spät in den Abend und Kritik von allen Seiten. Das wird André Stinka nicht anders gehen. Als Generalsekretär der nordrhein-westfälischen SPD und quasi rechte Hand von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, steht der Mann besonders unter Druck. Gottlob gibt es für Politiker seines Schlages auch süße Momente. Einen solchen erwischte er am Donnerstagnachmittag im wörtlichen Sinne in Westerkappeln . Denn Stinka hat die Confiserie Rabbel besucht.

„Wir versuchen, die Wirtschaft im ländlichen Raum voranzubringen“

Den Termin hatte sein Landtagskollege Frank Sundermann eingefädelt. Beide sitzen im Wirtschaftsausschuss, Sundermann ist auch wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion. „Wir versuchen, die Wirtschaft im ländlichen Raum voranzubringen“, sagt Sundermann. „Wir kümmern uns auch um Thyssen-Krupp, aber nicht nur.“ Mit dem Besuch bei Rabbel wollen sich Stinka und er offensichtlich inspirieren lassen.

„Rabbel ist ein Champion“ – Einer der größten Arbeitgeber in Westerkappeln

Der mittelständische Betrieb im Gartenkamp zählt mittlerweile zu den größten Arbeitgebern in Westerkappeln. In der Hochsaison vor Weihnachten sind rund 120 Frauen und Männer mit der Fertigung erlesenen Naschwerks beschäftigt. „Momentan sind es etwas weniger“, erläutert Geschäftsführer Christian Rabbel. Die Confiserie sei ein „Champion in Westerkappeln“ lobt Sundermann. Ein großes Wort, findet Rabbel, der sich im Konzert der Wettbewerber im Süßwarengeschäft eher kleiner verortet. „Für unsere Mitarbeiter gilt das aber schon.“

Seit 25 Jahren produziert Confiserie in Westerkappeln

Das 1907 in Schlesien von Christian Rabbels Großvater gegründete Unternehmen erlebte nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Tecklenburg einen Neuanfang. Das Café dort ist weit und breit bekannt. Produziert wird seit 25 Jahren in Westerkappeln, weniger für den Endverbraucher, sondern vor allem europaweit für Handelsunternehmen oder Feinkostläden wie im KaDeWe in Berlin oder die Käfer-Kette.

Handwerkliches Geschick des Konditors steht im Vordergrund

Auch wenn Rabbel heute nicht ohne Maschinen auskommt, steht das handwerkliche Geschick des Konditors noch immer ganz klar im Vordergrund. Das kunstvolle Verzieren einer Macarone, so wie Mitarbeiterin Elke Neff es den Besuchern zeigt, kriegt kein Roboter auf die Reihe.

Den Produkten sieht man die „tolle Arbeit“ oft nicht an – Geschick gefragt

André Stinka, im früheren Leben Beamter bei der Bundeswehr, darf ein paar Meter weiter am Arbeitsplatz von Stefanie Löw einmal zeigen, was er mit seinen Händen kann und versucht sich am Verzieren von Rumeiern. „Einer muss ja für die zweite Wahl sorgen“, meint er lachend zum doch eher bescheidenen Ergebnis seiner Bemühungen. Man sehe es als Verbraucher den Produkten oft nicht an, welch „tolle Arbeit“ dahinter stecke.

Individualität und Flexibilität mache Rabbel stark bei den Kunden

Rund 750 verschiedene Artikel hat die Confiserie im Sortiment, erzählt Rabbel. Die Individualität und Flexibilität mache das Westerkappelner Unternehmen stark bei den Kunden. „Wenn heute einer mit einem besonderen Wunsch anruft, können wir am Montag einen komplett neu designten Artikel liefern“, erklärt der Geschäftsführer beim Rundgang mit seinen Gästen, zu denen auch einige Mitglieder des SPD-Ortsvereins gehören, durch die Produktionsräume.

„Ernährungswirtschaft führt zuweilen ein Schattendasein im Land“

Die Ernährungswirtschaft führe zuweilen ein Schattendasein im Land, findet Stinka. Obwohl in aller Munde, werde kaum darüber gesprochen. Vielleicht will man manchmal auch gar nicht mehr darüber wissen, wenn man Sundermann so zuhört, als er am Rande von einer Besichtigung eines großen Schlachtbetriebes berichtet.

„Gutes Beispiel für Digitalisierung der Wirtschaft“

Ihre Hygienehaube ziehen Sundermann und Stinka gedanklich vor den EDV-gestützten Prozessabläufen bei Rabbel. An allen Arbeitsplätzen gibt es Touchscreens, an denen die Mitarbeiter Rezepte kontrollieren oder sehen können, welcher Kollege was gemacht hat und was noch zu erledigen ist. „Sie sind ein gutes Beispiel für die Digitalisierung der Wirtschaft“, findet der SPD-General.

Wertschätzung für Lebensmittel leicht zugenommen

Gerne hören sich Politiker bei solchen Terminen – es ist Wahlkampf in NRW – die Sorgen und Nöte der Betroffenen an. Doch Christian Rabbel hat nichts zu meckern; weder über eine überbordende Bürokratie noch über fehlende Fachkräfte oder zu hohe Steuerlasten. Seine Probleme sind anderer Natur, beispielsweise, wenn die Preise für die von ihm benötigten Rohstoffe in die Höhe schießen und das nicht ohne Weiteres an die Kunden weitergegeben werden kann. Allerdings, so sagt der Geschäftsführer, habe in Deutschland die Wertschätzung für Lebensmittel und damit wohl auch die Bereitschaft, mehr zu bezahlen, zugenommen. „In Frankreich und Italien ist das aber noch viel besser.“