WTL: „Wir haben hier noch gute Verhältnisse“ – Forderung nach strengeren Nitratwerten

Landtagsabgeordneter Frank Sundermann (2.v.r) hat sich im Wasserwerk Brochterbeck bei Ralf Steinbrink, Geschäftsführer Johann Knipper und dem kaufmännischen Leiter Thomas Meyer (v.l.n.r.) über Qualität des Trinkwassers im Tecklenburger Land.
Landtagsabgeordneter Sundermann informiert sich über Wasserqualität im Wasserwerk Brochterbeck

Landtagsabgeordneter Frank Sundermann (2.v.r) hat sich im Wasserwerk Brochterbeck bei Ralf Steinbrink, Geschäftsführer Johann Knipper und dem kaufmännischen Leiter Thomas Meyer (v.l.n.r.) über Qualität des Trinkwassers im Tecklenburger Land.

Mit 1.700 Kilometer Länge – etwa die Entfernung von hier bis Sizilien – unterhält der Wasserversorgungsverband (WTL) Tecklenburger Land eines der längsten Rohrleitungsnetze in ganz Nordrhein-Westfalen. Der Landtagsabgeordnete des Tecklenburger Landes, Frank Sundermann, hat sich jetzt bei einem Besuch des Wasserwerks in Brochterbeck über die Wassergewinnung in der Region, Verfahren der Trinkwasseraufbereitung und die Wasserqualität informiert. WTL-Geschäftsführer Johann Knipper, der kaufmännische Leiter Thomas Meyer und der Abteilungsleiter Wasserwerke Ralf Steinbrink haben Sundermann Einblicke in die spezifischen Herausforderungen der Wasserversorgung in einer ländlich und landwirtschaftlich geprägten Region wie das Tecklenburger Land gegeben.

Ländliche Struktur erfordert die längsten Hausanschlüsse in ganz NRW

„Wir haben viel Streusiedlung und eine ländliche Struktur, sodass viele Leitungen nötig sind, um alle Haushalte mit Trinkwasser zu versorgen. So liege im Tecklenburger Land ein sehr umfangreiches Leitungsnetz mit den längsten Hausanschlüssen ganz Nordrhein-Westfalens, aber im Verhältnis dazu den wenigsten Nutzern je Kilometer Leitungslänge“, erklärte Knipper. Das sei eine große finanzielle und technische Herausforderung. „Aktuell stellen wir uns auch auf das Ende der Kohleförderung in Ibbenbüren ein, weil uns mit der RAG zukünftig unser größter Kunde fehlen wird. Dafür habe ein anderes Unternehmen bereits erhöhten Bedarf angemeldet“, erklärte Meyer die zukünftigen Herausforderungen des kommunalen Unternehmens.

„Für die meisten Menschen ist sauberes Wasser selbstverständlich“

„Ich bin beeindruckt von der erfolgreichen Entwicklung des Wasserversorgungsverbandes. Für die meisten Menschen ist es selbstverständlich, dass rund um die Uhr sauberes Wasser aus ihren Wasserhähnen fließt“, sagte Sundermann. Doch was alles dahinterstecke, wüssten die wenigsten. So will der WTL in den kommenden Jahren für rund 23 Millionen Euro das Wasserwerk in Dörenthe neu bauen. Einig waren sich alle über das im vergangenen Sommer verabschiedete Fracking-Gesetz, das Fracking in Trinkwassereinzugs- und -schutzgebieten verbiete. Knipper sprach deshalb von einem „Wasserschutzgesetz“.

„Wenn Nitratwerte ansteigen, müssen wir uns ernsthafte Gedanken machen“

„Zwar haben wir hier aktuell noch gute Verhältnisse bezüglich der Qualität des Grundwassers, doch wenn die Nitratwerte, die mit der Gülle in den Boden gelangen, weiter ansteigen, müssen wir uns ernsthafte Gedanken machen“, erklärte Steinbrink. Bislang filtern die Wasserwerke des WTL Eisen, Mangan und Kohlensäure aus dem Grundwasser, das anschließend zu den Haushalten fließt. Das sei technisch kein Problem.

Forderung: 120 Kilogramm Nitrat pro Hektar Ackerland – Höhere Verbraucherpreise könnten drohen

„Doch wir fordern dringend, dass die Düngeverordnung an die Nitratrichtlinie gekoppelt wird und die organische Düngung auf 120 Kilogramm Nitrat pro Hektar bei Ackerland und 160 Kilogramm bei Grünland beschränkt wird“, sagte Knipper. Bislang würde der WTL sehr gut mit den Landwirten der Region zusammenarbeiten und es gebe viele Möglichkeiten, die Gebiete, in denen Grundwasser gewonnen wird, zu schützen. „Doch wenn es dazu kommt, dass die Nitratwerte im Grundwasser ansteigen sollten und wir den Stoff aus dem Wasser filtern müssen, wird es technisch kompliziert und sicherlich deutlich teurer für die Verbraucher“, warnte Knipper.