Stabile Schülerzahlen – neue Berufe: Ausbildung für die Region

Der Landtagsabgeordnete Frank Sundermann (l.), stellvertretende Schulleiterin und designierte Nachfolgerin Ute Berkemeier und Schulleiter Ulrich Manfraß tauschten sich über die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen der Kaufmännischen Schulen aus.

„Der Name ‚Tecklenburger Land‘ hat einen Wert an sich. Es ist unser Einzugsgebiet, wir bilden für diese Region aus“, sagt Schulleiter Ulrich Manfraß über den Namen der Schule, die Kaufmännischen Schulen Tecklenburger Land des Kreises Steinfurt in Ibbenbüren. Der örtliche Landtagsabgeordnete Frank Sundermann (SPD) informierte sich auf einer Tour durch seinen Wahlkreis, das Tecklenburger Land, über die aktuelle Situation und die zukünftigen Herausforderungen des Berufskollegs.

Wirtschaft und Handel werden stabil bleiben

„Eine wichtige Botschaft, die ich bei meinem Besuch mitgenommen habe, ist, dass die Berufsschulzahlen auch in den nächsten zehn Jahren stabil bleiben werden, weil auch die Wirtschaft und der Handel stabil bleiben“, sagt Sundermann. Gleichzeitig würde das Wirtschaftsgymnasium jedoch unter Druck geraten, weil auch die Gesamtschulen zunehmend gymnasiale Oberstufen anbieten würden. „Auf der anderen Seite kommen neue Ausbildungsberufe dazu, wie zum Beispiel die Fachkraft für Lagerlogistik“, sagt Manfraß.

Sorge über Knappheit in bestimmten Berufsfeldern – Akademisierungswahn

Sorge bereite Manfraß aber auch die Knappheit in bestimmten Berufsfeldern, als Sundermann sich nach möglichen Auswirkungen des Akademisierungswahns erkundigte: „Der ist deutlich spürbar. Alles soll über die Hochschulen laufen, und der Wunsch der Eltern nach mehr Bildung bedeutet letztlich ein höherer Berufsabschluss ihrer Kinder. Dieser scheint für viele nur über die Gymnasien zum Studium möglich; der direkte Weg in die Ausbildung nach Abschluss der Sekundarstufe I hat sich verloren“, bedauert Manfraß.

Berufseinsteigern fällt Anpassung heutzutage schwerer

Auf seine jahrzehntelange Erfahrung zurückblickend stellt Manfraß außerdem fest, dass man von der Ausbildung im Jugendalter weggekommen sei. „Das bringt Probleme mit sich, weil sich junge Leute leichter auf ein System einlassen. Heute starten die Auszubildenden mit 19 oder 20 Jahren in den Beruf. Da fällt es schon schwerer, sich anzupassen oder zu sozialisieren.“

„Probleme im Lesen, Schreiben und Rechnen nehmen zu“

„Eine weitere große Herausforderung ist für uns die auffallende Entwicklung, dass eine größere Gruppe von Schülerinnen und Schülern immer größere Probleme im Lesen, Schreiben und Rechnen hat. Das müssen wir zusätzlich fördern“, ergänzt die stellvertretende Schulleiterin und designierte Nachfolgerin von Manfraß, Ute Berkemeier. Das hänge wohl damit zusammen, dass die Themen auf den Lehrplänen breiter werden wie Informatik bzw. IT, Wirtschaft und Ernährung. Demgegenüber gerate Deutsch zunehmend in den Hintergrund. Das bedeute, die Sprachförderung gelte sowohl für deutsche wie auch für Schüler mit Migrationshintergrund.

Ziel: Sprachfähigkeit als Voraussetzung für Integration in den Beruf

Über das Thema Migration sprachen Sundermann, Manfraß und Berkemeier ebenfalls. „Unser Ziel ist es, die Migranten zwischen 16 und 25 Jahren sprachfähig zu machen. Eine Integration in den Beruf ist ansonsten nicht möglich. Dafür brauchen wir natürlich Lehrer“, sagt Berkemeier. Quantitativ sei die zukünftige Entwicklung schwer abzuschätzen und so gelte es derzeit abzuwarten.