„Letzter Strohhalm“ für junge Menschen: Stiftung auf Spenden angewiesen

Tauschten sich in den Räumen der Bürgerstiftung aus: v.l. Frank Sundermann MdL, Ewald Beermann, stellv. Vorsitzender, Anke Rieping, Vorsitzende, Ludger Börgermann, Geschäftsführer und der zukünftige Schatzmeister Harald Kuschel.

Wenn alle staatlichen Fördermöglichkeiten für die Integration und Inklusion von Jugendlichen ausgeschöpft sind, ist sie oft der „letzte Strohhalm“ oder „Notnagel“ für junge Menschen: die Bürgerstiftung Tecklenburger Land mit Sitz in Ibbenbüren. Der örtliche Landtagsabgeordnete Frank Sundermann hat sich mit den Vorstandsmitgliedern Anke Rieping, Ewald Beermann, Ludger Börgermann und Heinz-Josef Rehers über die aktuellen Herausforderungen der Stiftung ausgetauscht.

„Es bedarf differenzierter und kleinteiliger Instrumentarien“

„Neben der wichtigen Verknüpfung von Ehren- und Hauptamt nehme ich mit, dass es differenzierter und kleinteiliger Instrumentarien bedarf, um die jeweils betroffenen Menschen – junge oder alte – entsprechend fördern zu können“, sagte Sundermann. Doch um ihre erfolgreichen Projekte „Alt für Jung“ und „Wir für Kinder“ mit etwa 40.000 bis 50.000 Euro im Jahr finanzieren zu können, sei die Stiftung wegen der niedrigen Zinsen mehr denn je auf Spenden angewiesen.

90 Ehrenamtliche begleiten Kinder in Kindergarten, Schule und Beruf

„Seitdem die Bürgerstiftung im Jahr 2000 gegründet wurde, engagieren wir uns für Menschen in Not. 90 ehrenamtliche geschulte Coaches begleiten zum Beispiel Kinder und Schüler in Kindergarten, Grund- und Hauptschule, um sie beim Übergang in die weiterführen-de Schule oder den ersten Arbeitsmarkt zu unterstützen. Seit jeher helfen wir auch bei der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund“, sagt die erste Vorsitzende Rieping. Der Kontakt zu den Schulen und Eltern sei sehr eng, die Arbeit sehr intensiv, anspruchsvoll und emotional. Daher seien auch die Gespräche mit den hauptamtlichen Mitarbeitern als neutrale Ratgeber sehr wichtig.

„Bei uns hört der Kontakt nicht an der Haustür auf“

Der soziale Kontext, aus dem die jungen Menschen kommen, sei ganz unterschiedlich und hänge nicht immer vom Einfluss der Eltern ab. „Bei uns hört der Kontakt nicht an der Haustür auf und häufig erfahren die Kinder und Jugendlichen durch ihren Betreuer eine persönliche Aufwertung. Sie empfinden die Hilfe beim Lernen oder Bewerben als positiv und fühlen sich nicht mehr allein gelassen“, ergänzt Geschäftsführer Börgermann. Neben der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen werden die zunehmende Altersarmut und Einsamkeit im Alter wohl Probleme sein, die in Zukunft auf die Stiftung zukommen.

Spezielle Probleme brauchen individuelle Lösungen – unabhängig von Arbeitslosenquote

Überzeugt davon waren alle, dass den Kindern und Jugendlichen so früh wie möglich die Chance gegeben werden muss, am gesellschaftlichen und Berufsleben partizipieren zu können. „Auch wenn die Region Tecklenburger Land fast eine Vollbeschäftigung aufweist, gibt es immer Kinder, Jugendliche, Familien und auch Senioren mit speziellen Problemen, die nur mit einer individuellen Betreuung gelöst werden können“, sagt Sundermann. Das sei ganz unabhängig von der Beschäftigungsquote. Wichtig sei sicherlich auch, dass allzu starre staatliche Vorgaben oder bürokratischer Aufwand die Arbeit der Ehrenamtlichen nicht erschwere.

Bürgerstiftung hat 200 Stifter – 700.000 Euro Stiftungskapital

Die Bürgerstiftung hat 200 Stifter aus dem Tecklenburger Land und ein Stiftungskapital von 700.000 Euro. „Wir handeln unabhängig von staatlichen Leistungen aus reiner Überzeugung für die Kinder als wichtigstes Zukunftspotenzial unserer Gesellschaft“, fasste Rieping die Intention der Stiftung zusammen. Kontakt zur Bürgerstiftung: info@nullbuergerstiftung-tecklenburgerland.de.

Sundermanns Wahlkreis-Tour „Heimat im Tecklenburger Land“

Die Bürgerstiftung war Sundermanns nächste Station auf seiner Wahlkreis-Tour „Heimat im Tecklenburger Land“. Er besucht Einrichtungen, die den Zusatz „Tecklenburger Land“ in ihrem Namen tragen. Sundermann: „Das Tecklenburger Land spielt – unabhängig von den politischen Strukturen – für die Bevölkerung offenbar eine große Rolle. Die Menschen blicken aus den Gemeinden heraus auf die Region und identifizieren sich mit ihr.“