„Ehrenamt braucht Hauptamt“ – Gesellschaft wird komplexer

Tauschten sich über die Herausforderungen des Wohlfahrtsverbandes aus: Manfred Mönkehues, Deltev Becker, Frank Sundermann und Hermann Poggemann (v.l.n.r.).

Auf der zweiten Station seiner Tour durch das Tecklenburger Land hat der Landtagsabgeordnete Frank Sundermann (SPD) den Caritasverband Tecklenburger Land in Ibbenbüren besucht. Mit Geschäftsführer Detlev Becker, dem ersten Vorsitzenden Hermann Poggemann und dem stellvertretenden Vorsitzenden Manfred Mönkehues sprach er über die aktuellen Herausforderungen und Zukunftsperspektiven des Wohlfahrtsverbandes. „Dabei ist mir deutlich geworden, dass die ehrenamtliche Bereitschaft und das Engagement zur Betreuung und Begleitung von Hilfsbedürftigen in den unterschiedlichsten Notlagen sehr groß ist, es aber auch Hauptamtliche braucht, die vor allem die Koordination der Betreuung und Schulung übernehmen“, sagt Sundermann.

Im Fokus: Alleinerziehende, psychische- und Suchterkrankungen

Becker: „Für unser breites Leistungsangebot, von dem wir in den vergangenen fast 50 Jahren übrigens keines dichtmachen mussten, sind wir vor allem auf Landes- und kommunale Mittel angewiesen.“ In den vergangenen Jahren seien besonders Alleinerziehende stärker in den Fokus gerückt, nachdem sie infolge einer Gesetzesänderung von 2008 bereits nach dem dritten Lebensjahr des Kindes alleine für ihren Unterhalt aufkommen müssen, erklärt Becker. Aber auch psychische Erkrankungen sowie Spielsucht und Essstörungen hätten zugenommen.

Sundermann fordert Dependenz des Ausländeramtes für das Tecklenburger Land

Auch das Thema Flüchtlinge werde die Caritas zukünftig beschäfti-gen: „Bislang ist die Flüchtlingsproblematik für uns noch überschau-bar, solange es vorrangig um die Unterbringung geht. Aber in den nächsten Jahren wird eine unserer Hauptaufgaben sicherlich die nachhaltige Integration von Flüchtlingen sein.“ Die Mitarbeiter seien bereits in interkultureller Kompetenz geschult worden. Sundermann hält es für wichtig, dass das Ausländeramt des Kreises eine Dependenz zumindest in Tecklenburg oder auch Ibbenbüren einrichtet, damit die Fahrten mit den Flüchtlingen nach Steinfurt die Ehrenamtlichen nicht zusätzlich belasten.

Komplexe Herausforderung der Kinderbetreuung

Als Erfolgsmodelle der Caritas stellte Becker unter anderem die Kam-pagne „Generationengerechtigkeit“, das ELFEN-Projekt zur Inklusion, das Projekt EULE – eine Seniorenschule – und die sogenannten Sozial-Punkte zur Schuldnerberatung in mehreren Gemeinden vor. Sundermann und Becker sprachen außerdem über die große Herausforderung der Kinderbetreuung und das Kinderbildungsgesetz (KiBiz). „Der Wunsch nach flexibleren Betreuungszeiten ist absolut nachvoll-ziehbar und uns in Düsseldorf auch bekannt“, sagt Sundermann. „Doch in der Praxis ist das nicht so einfach zu realisieren. Die Gesellschaft ist halt sehr komplex geworden“, ergänzt Becker.

Sundermann auf Heimat-Tour durch das Tecklenburger Land

Sundermann macht derzeit unter dem Motto „Heimat im Tecklenburger Land“ eine Tour durch seinen Wahlkreis. Er besucht dort Einrichtun-gen, die den Zusatz „Tecklenburger Land“ in ihrem Namen tragen. „Auch wenn der Kreis Tecklenburg 1975 mit dem Altkreis Burgsteinfurt zum Kreis Steinfurt zusammengelegt wurde, spielt das Tecklenburger Land unabhängig von den politischen Strukturen für die Bevölkerung offenbar noch immer eine große Rolle. Die Menschen blicken aus den Gemeinden heraus auf die Region Tecklenburger Land und identifizieren sich mit ihr.“

Hintergrundinformationen zum Caritasverband Tecklenburger Land

Der Caritasverband Tecklenburger Land hat einen Jahresumsatz von 25 Millionen Euro und beschäftigt über 600 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter.