Interview mit der Ibbenbürener Volkszeitung am 4.10.2012

IVZ: Sie sind Mitglied im Wirtschaftsausschuss des Landtages. Haben Sie sich beworben oder sind Sie gefragt worden?
Frank Sundermann: Ich wurde gefragt und zwar von Thomas Eiskirch, dem wirtschaftspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion. Und zwar schon in der ersten Fraktionssitzung. Er kannte meine Qualifikation und auch meine Affinität zu diesem Thema. Ich hab mich gefreut und ich habe ´Ja´ gesagt. Klar!
IVZ: Ist der Wirtschaftsausschuss von besonderer Bedeutung in NRW?
Sundermann: Das Thema Wirtschaft ist allgemein von herausragender Bedeutung. Und der Wirtschaftsausschuss hat schon eine zentrale Funktion wie auch der Finanz-, der Sozial- oder der Schulausschuss. Das sind die vier Kernausschüsse. Ich sage das, ohne die anderen Ausschüsse abwerten zu wollen. Der Wirtschaftsausschuss ist ein Gestaltungsausschuss, da hört man nicht nur zu, da kann man auch umsetzen.
IVZ: Und Ihre Berufung ist nun eine Art Beförderung oder eine besondere Ehre?
Sundermann: Der Wirtschaftsausschuss ist einer der Ausschüsse, die immer überbucht sind. Da wollen immer ganz viele Leute rein. Wenn man nun einer von den elf ist, die reinkommen, ist das schon eine Ehre. Es zeigt, dass die Fraktion der Meinung ist, dass ich in der Lage bin, dieses wichtige Thema zu bearbeiten.
IVZ: Was qualifiziert Sie besonders für diesen Bereich?
Sundermann: Meine Erfahrung in der Wirtschaft. Ich habe 20 Jahre in einem Großkonzern in leitender Position gearbeitet. So schaut man nicht nur auf die Wirtschaft, man spricht auch die Sprache und kennt die Sichtweise der Akteure.
IVZ: Welche Aufgaben nehmen Sie in Zukunft wahr?
Sundermann: Mein Schwerpunkt wird die Wirtschaftspolitik der Kommunen und der kommunalen Unternehmungen sein. Zudem habe ich im Unterausschuss Bergbau und Bergbausicherheit den Vorsitz übernommen. Kümmern werde ich mich auch um die Schnittstelle Wirtschaft und Umwelt. Und ich will möglichst viele Firmen, Wirtschaftsbetriebe und Kammern besuchen, um vor Ort konkret zu sehen, wo es hakt.
IVZ: Muss man unternehmerfreundlich eingestellt sein, um da mitzuarbeiten?
Sundermann: Man sollte Verständnis für Unternehmen haben. Und man sollte den Menschen gegenüber, die Ausbildungsplätze und Arbeitsplätze hier in der Region schaffen, natürlich freundlich sein.
IVZ: Wie passt das zu einem SPD-Mitglied, einer Partei, die traditionell eher arbeitnehmerorientiert ist?
Sundermann: Dazwischen ist für mich gar kein Widerspruch. Man kann doch für Unternehmer und für die Mitarbeiter Verständnis aufbringen. Für mich ist das kein Gegensatz.
IVZ: Wo hakt es in NRW?
Sundermann: Schwierige Frage. Es gibt in NRW einige Regionen, die Probleme haben. Der Strukturwandel Kohle und Stahl ist nicht überall überstanden. Aber wir sollten mit Stolz auf das Land sehen. Denn die Außensicht ist die, dass unser Land an vielen Stellen sehr gut aufgestellt ist.
IVZ: Was läuft sehr gut?
Sundermann: Wir haben eine gut aufgestellte industrielle Basis und auch einen sehr gut aufgestellten Mittelstand. Es gibt bundesweit kaum eine Region, in der es so viele „Hidden Champions“, so viele Weltmarktführer gibt. Diese Strukturen müssen wir pflegen und unser Augenmerk besonders darauf richten.
IVZ: Die Arbeit in Düsseldorf, die regionalen Auswirkungen, wie funktioniert das?
Sundermann: Der Wirtschaftsausschuss ist ein wichtiges Gremium, um Netzwerke zu spannen und gute Kontakte zum Ministerium und zu Staatssekretären zu knüpfen. Diese Netzwerke kann man nutzen, um Ziele in der Region umzusetzen. Eines dieser Ziele ist mit Sicherheit, die Wahrnehmbarkeit der Region Tecklenburger Land zu erhöhen, damit man in Düsseldorf überhaupt begreift, dass es uns da oben gibt. Wir müssen bis 2018 den Strukturwandel hier vor Ort organisieren und begleiten. In Düsseldorf weiß man, dass die Region in dieser Sache zusammensteht. Da haben die Bürgermeister gute Arbeit geleistet.
IVZ: Es gab – sagen wir es vorsichtig – Ärger um die Ansiedlung einer großen Firma im Airportpark am Flughafen FMO. Die ist Ibbenbüren durch die Lappen gegangen. Soll der Airportpark mit über 200 Hektar Fläche künftig als Konkurrent auftreten?
Sundermann: Der Airportpark ist im Prinzip eingerichtet worden unter der Prämisse, dass flughafenaffines Gewerbe da hinkommt. Dass muss Richtschnur bleiben. Mein persönlicher Eindruck ist, dass mit aller Macht versucht wird, eine Investitionsruine zu vermeiden. Der Airportpark darf aber nicht zulasten der ganzen Region gehen.
IVZ: Letzte Frage, weil Sie gerade da sind: Reinhold Hemker, Jürgen Coße, Friedrich Paulsen, wer soll Kandidat für den Bundestag werden?
Sundermann: Alle können es. Ich hab keine Vorlieben …